Samstag, 20. Februar 2010

Café-Tod

Nun wird auch das "Café Reichert" in der Karl-Marx-Straße zu Grabe getragen. Fleißige türkische oder arabische Mitbürger demontieren alles, was zu demontieren ist.
Eine kulturelle Ära ist gestorben. Ein Jahrhundert "in die Karl-Marx-Straße zum Einkaufen bei Hertie und anschließend in einem gemütlichen Café Windbeutel und Stachelbeertorte zu essen" ist nun entgültig vorbei.
Das Café meiner dunklen Kindheitserinnerungen aus der Abteilung "Wir fahren in die Stadt* und gehen anschließend Kaffee trinken" war allerdings das Café Hellmich, schräg gegenüber von Hertie...
Da war ich zwar noch sooo klein, dass ich unterm Tisch durchgehen konnte, aber ich erinnere mich an Interieur aus Messing und Dunkelgrün, Schillerlocken mit Schlagsahne, die ich nicht mochte (bis heute nicht) und den Taschenhalter meiner Tante, dessen Mechanismus mich ungeheuer faszinierte, was zur Folge hatte, dass die Handtasche doch weit öfter auf dem Boden lag, als dass sie an der Tischkante hing.

*) vom Süden Neuköllns aus gesehen...

Kommentare:

Cornelia hat gesagt…

Auch wir haben schöne Kindheits- und andere Erinnerungen ans Café Reichert. Im letzten Jahr konnte man praktisch im Schaufenster sitzen und dem Verkehr auf der Straße zuschauen.
Und der Landen wurde von einem intellektuellen Russen geführt, der während der Leerlauf-Zeit Bücher (!!!) las.
Wieder ein Ort weniger, den man beim Neukölln-Besuch ansteuern kann.
Schade.

Nelson hat gesagt…

Wir , das heißt meine Frau und ich haben uns gerade über die Konditorei Hellmich unterhalten , dachte da muss ich mal auf dem Internet nachsehen ob es noch existiert . Dank dieses Blogs wissen wir jetzt Bescheid . Als wir uns kennen lernten sind wir oft dort " konditern " gegangen , Erdbeer Torte mit Schlagsahne oder " Liebesknochen " für meine Frau . Auch nach unserer Trauung im Standesamt Neukölln sind wir anschliessend mit unserer Trauzeugin zu Hellmich gegangen , war eine billige Hochzeitsfeier . Am besten hat uns immer die Musik gefallen , Kirschen in Nachbars Garten und Komm auf die Schaukel Luise und mehr , ja da waren wir noch ziemlich Jung und verliebt . Nun leben wir schon seit fast 35 Jahre in Australien und denken manchmal an unsere Bummelei durch die Karl Marx Str. Auch an Reichert können wir uns noch gut erinnern , die hatten früher immer Baumkuchen im Schaufenster ausgestellt . Wir können uns gut vorstellen das es grosse Veränderungen in Neukölln gegeben hat . Habe übrigens in der Fleischerei Gleich am Karl Marx Platz habe ich das Fleischerhandwerk erlernt !956 -1959 , die waren ja sehr bekannt für die gute Blutwurst .
Liebe Grüße aus Melbourne , Peter & Helga