Montag, 9. März 2009

Eine alte Geschichte

Warum ich im letzten Herbst einen Monat lang nichts geschrieben habe.

Weil ich mich geärgert habe.
Über ein schwieriges Thema.
Das hatte mir ein bisschen die Sprache verschlagen.

Es war ein schöner Freitag mitten im Oktober, als im Radio der (Herr xxx) etwas über die Herkunft von Namen erzählte. Und mittendrin in seiner Erklärung plautzt er fröhlich raus:
"... wie wir ja alle aus dem Horst-Wessel-Lied kennen."
Wie bitte? Habe ich das gerade richtig verstanden?
Wo und wann bitteschön sollten wir alle dieses Lied gelernt haben?
Und wo hat er das SA-Lied gelernt?
Sollten wir alle nicht besser froh sein, wenn kaum noch einer das Lied kennt?
Wes Geistes Kind ist (Herr xxx)?

Ich schaltete auf der Stelle das Radio aus und musste nachdenken.
Dann schrieb ich eine Mail an die Radioredaktion.
Und ich bekam ziemlich schnell eine verärgerte Antwort.
Hier der Hauptteil:

das ist jetzt aber nicht Ihr Ernst, oder?
Sobald irgendjemand auch nur Ansatzweise über unsere Vergangenheit redet, geht sogleich ein Aufschrei durch die Nation.
Es wird doch noch möglich sein, Dinge aus dem Dritten Reich zu erwähnen, ohne dass sofort die "Gesinnung" in Frage gestellt wird.
Mal davon abgesehen, dass (Herr xxx) durchaus in einem Alter ist, dass er das Dritte Reich miterlebt hat.
Der letzte Satz hat mich benahe amüsiert, denn (Herr xxx) war zu Kriegsende gerade mal 2 Jahre alt - aber mal im Ernst - was will uns die Frau Redakteurin damit eigentlich sagen?

Abgesehen von einigem andern war mir auch nicht klar, dass man in einem öffentlichen Radiosender, für den ich Gebühren zahle, irgendwelche "Irgendjemands" an das Mikrofon lässt, und das (Herr xxx) auch nur ein Irgendjemand ist ...

Und ich wusste nicht, dass man solche Äußerungen nicht kritisieren darf.

Naja, man lernt eben immernoch dazu.
Und das macht sehr nachdenklich.

Und was heißt eigentlich "Die Nation"? Bin ich die Nation? Oder gab es neben meiner mail noch viele viele andere zum gleichen Thema? Ich hoffe letzteres. Mit der Verkörperung einer ganzen Nation fühle ich mich nämlich doch ein bisschen überfordert....

So, jetzt isses raus.
Weil ich auf zusätzlichen Ärger nicht scharf bin, habe ich hier alle Namen weggelassen.
Ich hoffe, das reicht.
Man hat mich gewarnt.
Verzeihung, ich bin auch nur eine Warmduscherin.
Wenngleich auch manchmal eine grimmige.

Nachtrag 2012:
Offenbar ist da doch auch anderen (schon früher) was unangenehm aufgefallen, notiert bei bifff, dem Berliner Institut für Faschismusforschung

Freitag, 6. März 2009

Zeit für Flower-Power

Ich habe meine Bäumchen auf dem Balkon beschnitten und das Blau-Gelb-Grün auf meinem Schreibtisch mit etwas Rot von der Weide und dem Apfelbaum ergänzt.FrühlingBaumbeschnitt soll man ja - wie auch jegliche andere Pflanzenpflege am besten bei absteigendem Mond vornehmen. Nicht abnehmendem, sondern absteigendem.
Was ist das denn jetzt wieder für'n abergläubischer esotherischer Kram?
Weeß nich.
Und was ist ein absteigender Mond?
Das ist leichter zu beschreiben, weil da gar nichts Unerklärliches dran ist, sondern nur schlichte Astronomie:
So, wie die Sonne im Laufe eines ganzen Jahres die Höhe ihrer Bahn verändert (zur Wintersonnenwende flach und kurz im Süden, zur Sommersonnenwende steil und weit von NO bis NW), tut es auch der Mond, aber in kürzerer Zeit. Das geht sogar noch etwas schneller als der Vollmondzyklus (ca.29,5 Tage) , nämlich ungefähr 27 ¼ Tage. Dadurch kommt es, dass der Vollmond manchmal hoch am Himmel steht und manchmal kaum zu sehen ist.
Auf- und absteigender MondHier gehts zu einer Seite, die ein bisschen was zu den verschiedenen Mondphasenarten erklärt.

Nachtrag: Hier ein Link zu einem alten Kalenderblatt von 1627 im Archiv der UNI Graz
Man kann gut sehen wie außer Voll- und Neumond der auf- und absteigende Mond und die Tierkreiszeichen notiert sind und daneben noch viele andere Dinge, deren Sinn sich mir nicht sofort erschließt (z.T. gewiss alchemisten Ursprungs), aber die Phantasie mal wieder gut anregt!
(Abb. links: nur ein Ausschnitt, ganzes Blatt siehe Link oben)
Nachtrag 2: Wer sich stattdessen oder darüber hinaus für die neuzeitlich esotherische Variante (aber ohne überflüssigen Firlefanz) interessiert, um mal einen anderen Pflanzenpflegeplan auszuprobieren, ist beim online-"Pflanz-Kalender" nach Maria Thun genau richtig.

Donnerstag, 5. März 2009

Das zweite Glück

hat mir mein verlorenes Schlüsselbund zurückgebracht!
Tausend Dank, Lob und Ehre an den freundlichen Neuköllner oder freundliche Rixdorferin, die ...
mehr verrate ich hier nicht, sonst funktioniert der Trick beim nächsten mal vielleicht nicht mehr!

Mittwoch, 4. März 2009

Das erste Glück

dass die Katze herbeirufen sollte, war ein Hauch von Frühling. Denn am Sonntag hat er ja angefangen, jedenfalls meteorologischerseits (eigentlich müsste es ja eher "für die Statistik vereinfacht" heißen) , aber eigentlich hat hat er ja noch drei Wochen Vorlaufzeit. Immerhin treffen sich schon des Abends auf dem Nachbargrundstück ein paar Kater zum Proben der diesjährigen Minnegesänge, am Vormittag trällern die Amseln wüste Lieder, die Sonne versuchte auch schon mal stundenweise Auftritte und ich muss meine Bäumchen auf dem Balkon beschneiden...
Wenn nun auch noch dieser spezielle fiese scharfkantige Splitt, der die Fahrradreifenindustrie zwar aufs beste fördert, aber dafür meine Finanzen nun schon mehrfach geschmälert hat, von Wegen und Straßen verschwände, dann würd's mich richtig freuen!

Dienstag, 3. März 2009

Kutte kennt sich aus...

...auch außerhalb Neuköllns.
Welches denkmalgeschützte Objekt
wurde auf diesem Bild versteckt?
(Anklicken zum Vergrößern)


"Kutte kennt sich aus" - unter diesem Titel fanden einst im RIAS regelmäßige berlinkundliche Ausflüge mit Kurt Pomplun statt...

Gibts schon wieder was zu gewinnen?
Nicht, solange der letzte Gewinn noch nicht abgeholt ist....

Montag, 2. März 2009

E-schufiert

Zwar hatte und habe ich nicht die Absicht, einen Kredit aufzunehmen, einen Ratenvertrag abzuschließen, die Bank oder den Mobiltelefonanbieter zu wechseln oder sonst irgendwas, bei dem die Schufa um Auskunft bemüht werden möchte - und möglicherweise bekäme ich das alles ja auch gar nicht, selbst wenn ich wollte, aus dem einfachen Grund, weil ich Nord-Neukölln wohne. Noch schlechtere Aussichten: Männer unter 25, die in der Sonnenallee wohnen haben z.B. gaaanz schlechte Karten, - hat man mir vorhin ungefragt erklärt und erst recht, wenn sie in ihren jungen Jahren schon mehrmals umgezogen sind (Unstetigkeitsbeweis! ... von Mama zum Onkel, vom Onkel zum Freund, wieder zurück zu Mama) - dann geht gar nichts mehr. Das gibt gewaltige Punktabzüge.
Und das nennt die Schufa "Score" - als wärs das Ergebnis eines lustigen Spiels. Im Fall der jungen Neuköllner ergibt das einen ganz schlechten Score. Nahe 0. Das Gegenteil wäre 1000: Ein wohlhabener Beamter knapp über 50 in bester Wohngegend, der eigentlich gar keinen Kredit bräuchte und wo niemand in der Nachbarschaft arbeitslos ist.
Ein paar allgemeine Score-Infos gibts hier beim WDRnicht mehr.
Wer sich seinen kostenpflichtigen persönlichen Score online ausrechnen lassen will, muss sich allerdings bei der Schufa einloggen und weiß nicht, ob er sich schon allein mit seiner Neugierde den Score versaut, denn die Schufa-Rechenformel ist gaaanz geheim.
Und was sagt unser Bundesdatenschutz-Peter zu dieser schufistischen Geheimniskrämerei?

Sonntag, 1. März 2009

Happy

Geschenke kriegen ist eine schöne Sache. Nützliches, Überflüssiges, Appetitliches, Dekoratives und Lustiges verbreitet gute Laune und erhellt das winterlich verkniesterte Gemüt.
Schwieriger ist das mit der dazugehörigen Gebrauchsanweisung:Ungefähre Übersetzung:
Freue dich! Du hast eine "Katze, die das Glück herbei ruft". Stelle die Katze an ein Fenster oder vor die Tür, damit sie Kontakt zur Außenwelt aufnehmen kann. Während der Arbeit brütet die Katze gerne die eine oder andere Batterie aus. Schütze die Katze vor Regen und Feuchtigkeit, damit sie weder ihren Goldglanz verliert, noch die Batterie Schaden nimmt.

Mehr zur Maneki Neko bei wiki

Ich hab übrigens eine ziemlich große aus Pappmaché schon seit dem letzten Jahrtausend auf dem Schrank stehen, die sollte mal viele Zuschauer zu einem deutsch-japanischen Kabarett (heute sagt man Comedy) herbeirufen - an dieser Stelle allerbeste Grüße an Kaoru und Misako! Ich hoffe, es geht euch gut! - bis uns kurz vor der Premiere der Theaterzurverfügungsteller
Deutsch-Japanisches Kabaretteinen nicht zu überwindenden Strich durch die Rechnung machte, aber das ist eine ganz andere Geschichte....

Wem beim Arbeiten...

Bauhaus-Lampe
...ein Licht aufgeht, dem ist es vielleicht auch eine schöne alte

KAISER idell
Bauhaus Art Deco
um 1935
Originalfarbe weiß (oder von mir aus auch bürokratisch schwarz)

Vermutlich um 1970 wurde mein Exemplar von hippen Hippies poppig rot lackiert, fand dann aber offenbar keinen Gefallen mehr, aber bei mir und auf diese Weise eine neue Unterkunft.

Seitdem nun der schönen alten Glühbirne das Totenglöckchen läutet, begann auch bei mir der Kampf um Überlebensstrategien liebgewordener Beleuchtungstechnik. Doch bei dem Versuch, eine Stromsparlampe in das gute alte Stück einzudrehen, zerknackste die alte Fassung, die vielleicht einen viertel Millimeter enger war, als das Gewinde eines modernen Leuchtkörpers. Und so wäre die Lampe fast auf dem Müll gelandet, wenn sie nicht in der letzten Woche eine wundersame Wiederbelebung erfahren hätte. Lampenchirurg Tom hat ihr ein paar frische Organe implantiert und da es Energiesparlampen gibt, die trotz allem noch eine gemütliche wohlige Wärme abstrahlen, ist auch Pelle glücklich!

Danke!

• Unter dem Namen KAISER idell werden auch heute noch Lampen hergestellt. Hier bemühte man sich auch um so eine Art Historie, schrieb aber im Endeffekt bei Wikipedia ab....
• Als Teenage-Trendartikel findet man die Lampe hier...
• ...und wenn idell-Lampen beim Speeddating sind , sieht's vielleicht so aus...