Montag, 31. Oktober 2011

Nach-Denken

Nachhaltigkeit:
Wenn ich hier ne Flasche Biowein kaufe, rette ich irgendwo einen Delfin? Und wenn ich bei der Online-Druckerei ein paar Pfennige Cent mehr zahle, wird meine Postkarte angeblich CO2-neutral gedruckt?
Was soll das heißen? Nehmen die dann eine andere Maschine? Kann ich mich freikaufen und brauch kein schlechtes Gewissen mehr haben? Weil ich jetzt irgendwas für die Atemluft tue? Die Postkarten werden in Bayern gedruckt. Die Luft in Berlin ändert sich dadurch nicht. Die in Brasilien auch nicht. Oder in Tuvalu.

Nachwachsen:
Neu definierte nachwachsende Rohstoffe: Kühe, Schweine, Hühner, Heringe....

Nachgucken:
Wenn ich auch mal liegengebliebene 55 000 000 000 Euro entdecke, sage ich Bescheid.

Sonntag, 30. Oktober 2011

Und am Abend

 werd ich wach:

wenn die vor zwei Jahren geköpfte Pappel eine hübsche Kulisse für den Sonnenuntergang abgibt.

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Wenn früh am Morgen

der Ofensetzer zweimal klingelt, stehen kleine Bastelarbeiten ins Haus. Überraschung? Nein. Als erstes vor drei Wochen kam der Schornsteinfeger, den Schornstein auszubrennen. Spannend, hab ich auch noch nicht erlebt. Meine Aufgabe war, im Vorfeld die halbe Küche auf den Rest der Wohnung zu verteilen.

Und da befindet sie sich bis heute, denn dann wurde ein anderer Handwerker beauftragt, ein neues Rohr an den Abzug zu bauen, weil das alte mehr als porös war. Das hatte nur niemand gesehen, weil es seit den frühen 80ern über einer Zwischendecke versteckt war. Der Handwerker gab sich große Mühe, nur so wenig wie möglich kaputt zumachen. Und es gelang ihm auch.

Aber dann am nächsten Tag kündigte sich ein Ofensetzer an, der nun heute mit seinem Kollegen die schöne Puzzlearbeit wieder auseinandernimmt, um ein gänzlich neues Rohr nicht nur durch den Schornsteinschacht, sondern auch durch meine Küche unterhalb der Decke zu ziehen.
Noch lange nicht fertig,
denn hier soll ja nun das neue
Rohr zur Therme abzweigen

Oberhalb sei heutzutage gar nicht mehr erlaubt. Na prima. Vor Begeisterung stehen mir die Haare zu Berge und kommen drei Wochen nicht wieder runter.
Das Rohr im Schornstein kommt dagegen recht flott vom Dachboden herunter und schmiegt sich zutraulich ans Gemäuer.

Ofensetzer ist ein schöner Beruf, auch wenn heutzutage weniger Öfen gesetzt (abgesehen von ein paar nostalgischen Kaminen) und mehr Rohre durch alte Schornsteinzüge gezerrt werden. Wer weiß, wie lange noch?
Kein Beruf mit Zukunft. Irgendwann sind alle Heizanlagen auf dem neuesten Stand und schon sind ganz andere Techniker gefragt. Heizanlagenmechatroniker oder sowas...

PS: ...und was bin ich froh, dass die heutigen Handwerker nicht die gleichen alten Herren sind, die im letzten Jahr die Schornsteine im Seitenflügel bearbeitet haben...

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Volli Kauder-Welsch

Heute im Parlament:

Wir wollen und wir würden heute abend beim Gipfel, das beschließen wir. Wir können doch nicht, und da fehlt die ausdrückliche Zustimmung unter bestimmten Voraussetzungen ist die Aufgabe des Rettungsschirms und das muss klargestellt werden. Die Menschen stellen Fragen und machen sich Sorgen und dass sie gar nicht verstehen, dafür ist dieser Tag ein guter Tag. Und ich würde mir wünschen, dass wir unsere Verhandlungsführer richtig ausgestattet haben. Ich würde mir wünschen, dass mit den Gesetzen, die wir verabschiedet haben, auch richtig umgegangen wird. Wir wollen, dass der Haushaltsausschuss entscheidet! Dabei haben wir uns doch was gedacht! Wenn der Bundestag die Entscheidung, da bauen Sie doch keinen Popanz auf und deshalb entscheiden wir jetzt im Parlament!


kauderwelsch Adj. ‘wirr, fehlerhaft oder fremdartig im sprachlichen Ausdruck und daher schwer verständlich’. Die seit der 1. Hälfte des 16. Jhs. bezeugte Bildung (frühnhd. auch kuderwelsch) enthält als zweiten Bestandteil das Adjektiv welsch ‘romanisch, bes. italienisch’ (s. d. sowie Wallach, Walnuß), das oft ganz allgemein eine unverständliche Sprache kennzeichnet (vgl. rotwelsch). Schwierigkeiten bereitet die Erklärung des ersten Kompositionsglieds. Häufig wird in ihm eine lautliche Umgestaltung des schweiz. Ortsnamens Chur (obd. auch Kauer) gesehen; danach wäre kauderwelsch identisch mit der seit dem Frühnhd. üblichen Bezeichnung Churwelsch (vgl. die Sprachbezeichnung Kurwalchen bei Hermann v. Sachsenheim, Mitte 15. Jh.) für die rätoroman. Sprache Graubündens. Zwischen beiden Formen wird im 16. Jh. (bei Mathesius) tatsächlich mehrfach ein enger Zusammenhang hergestellt, doch ist hierbei nachträgliche wortspielerische Gleichsetzung nicht auszuschließen. Eine andere Anknüpfungsmöglichkeit bietet obd. Kauderer ‘Zwischenhändler, wucherischer Kleinhändler’, Nomen agentis zu obd. kaudern ‘Kleinhandel treiben’, das vielleicht als Iterativum zu frühnhd. kauten, käuten, mnd. kūten ‘tauschen’ zu stellen ist. Obd. Kauderer ist daneben in der Bedeutung ‘Werg-, Flachshändler’ bezeugt; vgl. frühnhd. Kuder, Kauder ‘Abfall beim Hecheln des Flachses’, md. kawte ‘Flachs in bestimmter Form und Menge’ (Ende 14. Jh.), wofür von Knobloch in: Lingua 26 (1970/71) 305 Anschluß an die slaw. Wortgruppe von russ. kudél’кудель) ‘zum Spinnen vorbereiteter Flachs’ vorgeschlagen wird. Dann bezöge sich kauderwelsch ursprünglich auf die Redeweise wandernder Händler (oder zugewanderter Flachshechler ?) aus Italien oder der Schweiz. Diese Auffassung wird dadurch gestützt, daß Fischart Kuderwelsche in einer Aufzählung verschiedener Gewerbetreibender nennt und daß bereits im 13. bzw. 14. Jh. Kudirwale (Köln), Khawderwalch (Rain in Schwaben) als Beiname von Bürgern belegt ist. Sehr einleuchtend erscheint auch Zusammenhang mit oder Beeinflussung durch obd. kudern, kaudern ‘undeutlich sprechen’, ein zunächst (wohl lautmalend) das Kollern des Truthahns bezeichnendes Verb. An das Adjektiv schließen sich an Kauderwelsch n. ‘wirre, schwerverständliche Sprache’ (16. Jh.), kauderwelschen Vb. ‘wirr, in schwerverständlicher Ausdrucksweise reden’ (18. Jh.).
(DWDS)

Montag, 24. Oktober 2011

Glas

Nachtrag zu den Dingen, die nicht ins Essen gehören:

Glasscherben ins Essen zu streuen, ist keine gänzlich neue Idee. Um das Thema ranken sich Kriminal-Kurzgeschichten oder -Serienepisoden. "Episode" ist dabei ein rechte verharmlosende Vokabel für einen recht schmerzvollen Tod. Angeblich gehört diese Mordmethode eher zu den weiblichen Vorgehensweisen.

Man kann mit Glasscherben aber auch ansehnliche Dinge fabrizieren. Ich erinnere mich da zum Beispiel an einen sehr schön glitzernden Esel von Erik Tannhäuser auf dem Hof der alten Post vor drei Jahren...

Anfänger versuchen erstmal Muttis Lieblingsvase wieder zusammenzukleben. Die Reste reichen bestimmt noch für ein erstes hübsches Mosaik.

PS: Keine Angst bei Schnittwunden, sowas sollte beim Umgang mit Glas keine Überraschung sein. Halten Sie Verbandmaterial bereit. Eine Tetanusimpfung vor Bastelbeginn kann auch von Nutzen sein.


Samstag, 22. Oktober 2011

Lebensmittelquiz

Hund, Katze, Maus -  Ei, zwei oder drei - Welches Schweinderl hätten's gern?
Das Lebensmittelquiz geht weiter und wird immer weiter gehen, solange man mit Nahrungsmitteln nicht das Volk möglichst gesund versorgt, sondern in erster Linie Profit (ich kann das Wort bald nicht mehr hören!) machen will.

Ehec, Dioxin oder Schweinegrippe, Nitrofen, Acrylamid oder BSE, Salmonellen oder Glassplitter und was sonst noch so im Abendmahl zu finden ist, wird jetzt endlich auch von offizieller Seite auf www.lebensmittelwarnung.de gemeldet. Man verspricht, mit den Informationen nicht zu warten, sondern den Verbraucher über diese Internetseite sofort zu versorgen, wenn ein Labor fündig wurde. Na, da sind wir mal gespannt.
Bei Foodwatch versucht man ja im Prinzip ähnliches, aber mit viel mehr (politischem) Hintergrund und eher projektorientiert. Beide Anbieter/Initiativen zusammen genommen ergänzen sich dann für die Zukunft hoffentlich auf's feinste. Was die Profit-(ich kann das Wort bald nicht mehr hören!)-Gier bei Spekulationen mit Grundnahrungsmitteln natürlich nicht in den Griff kriegt... Moment, jetzt kommt eine Umleitung...

PS: bei Clean-Kids werden auch internationale Produktwarnungen gemeldet.

Freitag, 21. Oktober 2011

Getrübter Blick

Wegen der "sich eintrübenden Weltkonjunktur" konnte Carla Bruni ganz entspannt ihr Kind alleine kriegen. Glück gehabt. Frau stelle sich vor: Lois de Funes zappelt ums Bett herum....

Ich denke über die "Eintrübung" nach.
Was soll uns die Wortwahl sagen?
Undurchsichtig, abgestanden oder einfach nur traurig?
"Eintrübende Wirtschaftsaussichten belasten Aktienmärkte".
Wolken ziehen auf? Kein Silberstreif am Horizont? Lieber trüb, als gar keine Aussicht?

PS: Der Vergleich von Nicolas Sarkozy und Louis de Funes hat sich ganz offenbar auch schon anderen aufgedrängt...


Mehr aus dem Aktualitätenkabinett:
Rösler: "Viele empfehlen in dieser Zeit Steuererhöhungen, wir machen aber etwas anderes."
Ich muss mal eben grinsen. Klar, was sonst:
"Wir senken die Steuern." Schäuble nickt zustimmend.

Geheimes dokumentarisches
Material: Früh übt sich...
Ich muss kichern und hab vor lauter Amusement vergessen, welche Steuern? Für Großunternehmer oder für Fipsibücher?


Libyen: Der Träger der schönsten Phantasie-Designeruniformen ist plötzlich, aber nicht ganz unerwartet verstorben...
Was wird aus den Klamotten? (Alte Fotos und kryptische Textilbilder)
Was ist eigentlich aus der berühmten 1060 Paar Schuhen von Imelda Marcos geworden? - Ach so, die lebt ja noch...




Nachtrag: Im Geheimarchiv wurde was verwechselt: Das Foto stellt den jungen Saddam Hussein dar.
Noch'n Nachtrag: Beim Ähnlichkeitswettbewerb stehen für Sarcozy noch die beiden Zappler Stan Laurel und Hans Rosenthal, aber auch der etwas ruhigere "Monk" zur Auswahl.
Für Gadhafi ist das Vergleichsangebot bedeutend größer. Nur eins bleibt ihm ganz allein: Der Sonderpreis für "Bösegucken".

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Nonnenpfurz

oder: mal wieder ein Beispiel zum Thema, wie sich Wörter im Sprachgebrauch verändern.

Neulich schrieb ich:

5. Berliner Pfannkuchen wurden angeblich vor 255 Jahren erfunden und dürfen überall hergestellt werden, weshalb sie zur Saison (Fasching und Silvester) auch schon mal importiert werden.
Bei meiner Recherche stieß ich damals auch auf die Bezeichnung "Förtchen" für Fettgebackenes in Form eines Berliner Pfannkuchen. Spontan fiel mir die Bezeichnung "Nonnenpfürzchen" ein, die meine Mutter gerne beim Anblick eines sogenannten Kameruners benutzte. Hier handelt es sich um eine Gebäckform, die woanders, wie so vieles, auch "Krapfen" genannt wird: Ein Berliner Pfannkuchen mit Loch in der Mitte (und dafür ohne Marmelade).

Egal ob Pforte oder Furz - was hat das mit Nonnen zu tun? Mit viel Phantasie lässt sich vielleicht eine Lösung finden. Aber ganz bestimmt nicht, was den offiziellen Namen "Kameruner" betrifft.
Naheliegend: es muss sich hier wohl um ein Überbleibsel aus Deutsch-Kolonialen Zeiten handeln. Aber was bedeutet es?  Farblich ist das Gebäck von einem Schwarzafrikaner viel zu weit entfernt...

Meine erste Idee, die Einwohner Kameruns betreffend, waren zu große Ohrläppchen mit zu großen Löchern. Aber in Kamerun leben überwiegend Bantuvölker und für ausgeleierte Ohren interessieren sich eher, soweit ich weiß, die Massei im Osten Afrikas.

Kamerun klemmt im Knick der afrikanischen Westküste und hat kein großes Loch in der Mitte.  Über das 19. Jahrhundert weiß ich nichts, was für Löcher verantwortlich sein könnte. In den heutigen kamerunischen Gesetzen sind Strafen für Hexerei vorgesehen.


PS: Was das Kuchenstück mit der Bezeichnung "Amerikaner" mit einem Amerikaner zu tun hat, kann man sich genauso fragen.

PPS: Vielleicht hat meine Mutter aber auch "Nonnenfötzchen" gesagt ...
... und ich war noch zu jung, um ...
Bei der Bezeichnung "Liebesknochen" für ein anderes wohlbekanntes und leckeres Konditoreiprodukt habe ich damals auch nichts anstößiges gedacht.

PPPS: Wenn der Negerkuss von Anfang an (z.B.) Zulukuss geheißen hätte, wäre uns die Bezeichnung Schaumkuss vermutlich erspart geblieben.