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Sonntag, 9. November 2014

Dit dauert...


Vor 25 Jahren war ich bestürzt, wie schnell es ging, zu beschließen dass DDR und BRD sofort ein einziger Staat werden müssen und der Bevölkerung beider Teile keine Chance gegeben wurde, sich erst mal mit allen Perspektiven, Möglichkeiten aber auch Gefahren eines Zusammenschlusses auseinanderzusetzen.
Stattdessen wurde ganz schnell ein großer Saumagen zusammengematscht (wer die größten Fleischstückchen findet, hat gewonnen), mit dem allen das Maul gestopft wurde, egal, ob's ihnen schmeckt oder nicht.


Damals habe ich gesagt, dass das "Zusammenwachsen" MINDESTENS so lange dauern wird, wie die Trennung gedauert hat. Dafür wurde ich damals oft ungläubig angesehen und belächelt. Und? was ist draus geworden? Wir werden noch lange warten müssen, bis sich verschiedene Bevölkerungsgruppen miteinander arrangieren, aber ganz besonders, bis die Regierung unseres Gesamtstaates sich mal ernsthaft darum bemüht, die sogenannten neuen Länder wirklich als Teil des Ganzen zu respektieren und gleich zubehandeln. Und wenn's nur um gleichen Lohn für gleiche Arbeit geht oder z.B. sehr spezielle Rentenreglungen.

Was mir keine spontan befragte Person in meiner Umgebung mit Sicherheit beantworten kann: Gehört das ehemalige West-Berlin eigentlich zu den "neuen" oder den "alten" Ländern? Klar gehört's zu ganz Berlin, aber immer wieder hört man ja von wohn- oder arbeitsortabhängigen Bezahlungsweisen und wer weiß, was da noch alles fein säuberlich diesseits und jenseits des Mauerstreifens differenziert wird.
Manchmal habe ich allerdings auch das Gefühl, dass diesem ehemaligen alten Nicht-Bundesland die jeweils schlechteren Regelungen zugewiesen wurden: miesere Bezahlung, aber höhere Steuern und schnellere Kostensteigerungen...

Es ist nicht leicht, im Internet zuverlässige Aussagen zu finden, als Kostproben kommen hier
3x Wikipedia:
1. Ob West-Berlin zu den alten Ländern gezählt wird... (Absatz: Berlin)
2. Zu unterscheiden sind die Begriffe ostdeutsche Länder... (Anfang, 2. Absatz)
3. Berlin war bereits vor 1990 ein Land... (Absatz: Sonderfall Berlin)

1x Frau Lötsch:
Frau Lötsch (Die Linke) teilt uns mit, das 1998 Westberlin zum neuen Land erklärt wurde.
Und damit ja eigentlich auch den Regelungen der neuen Länder, oder?
Ich frage mich allerdings, warum weiß das außer Frau Lötsch keiner?
(...oder spricht man da nicht gerne drüber?)

Ergänzend noch dies:
Ist seit dem oder vorauswirkend das, was im Bundesstaatlichen Finanzausgleich, Kurzübersicht zu den Regelungen für die Jahre 2005 bis 2019 , Seite 7 unten steht, außer Kraft gesetzt?

Der Bund hat den bisherigen Fonds "Deutsche Einheit" zum 1. Januar 2005 übernommen und in die allgemeine Bundesschuld integriert. Für die Übernahme erhält der Bund eine jährliche Kompensation in Höhe von 2,22 Mrd. Euro von den Ländern. Unter Einrechnung von Entlastungen des Bundes bei den Bundesergänzungszuweisungen und Belastungen aus der Finanzhilfe des Bundes für die Hafenlasten im Zusammenhang mit der Neuregelung des LFA bekommt der Bund von den Ländern einen jährlichen Festbetrag in Höhe von 1,323 Mrd. Euro. Dieser wird neben anderen Festbetragselementen bis zum Jahr 2019 aus dem Umsatzsteueranteil der Länder getragen. Nach Ablauf des Jahres 2019 sind die alten Länder und West-Berlin verpflichtet einen Teil des Restschuldbetrags zu übernehmen, wenn dieser 6,5 Mrd. Euro übersteigt.

Wer genaueres weiß, darf sich hier gerne äußern!

PS: Die symbolischen Luftballons (siehe oben), die symbolisch beleuchtetet an einem recht kurzen, touristenrelevanten, symbolischen Stückchen der früheren Mauerposition in den Nachthimmel entlassen werden, wurden so kostensparend wie möglich in einer Potsdamer Behindertenwerkstatt zusammengebaut...., das kostet wenigstens nicht soviel Steuergelder. Die emsigen ArbeiterInnen (behindert und Ostlohngebiet) erhalten auch nur ein symbolisches Zubrot.


PPS: Internationaler Tag der Ballonkünstler ist am 3. Oktober...

Donnerstag, 4. September 2014

Organisierter Unter Urlaubsgrund


Zur Freude russischer Urlauber bieten Moskauer Reiseorganisatoren nicht erst seit Anfang des Jahres Actionurlaub im ukrainischen Grenzgebiet und ostukrainischen Feldlagern an. Wie mehrere, von einander unabhängige durch Putin in Auftrag gegebenen Umfragen ergeben haben, reisen 16 - 48jährige russische Männer sehr gerne in Manöverübungsgelände, besuchen Schießclubs, amüsieren sich bei Unterwassergepäckmärschen und lieben militärisch anmutende Kriegsspiele in den Wäldern am Siwerskyj Donez.
Ab sofort können sich russische Urlauber nun auch aktiv beim Tunnelbau unter der zukünftigen ukrainischen Grenzmauer beteiligen. 
Alle notwendigen Werkzeuge und sonstige Gerätschaften werden in einem Konvoi von voraussichtlich 250 zitonengelb lackierten LKW direkt vor Ort gebracht und dort zur Verfügung gestellt.

Samstag, 13. August 2011

links umme Ecke rum

rechts umme Ecke rum...
Heute ist Tag der Linkshänder und natürlich auch der Linkshändler, denn letztere machen an solchen Tagen bestimmt wieder prima Umsätze mit Dingen, die Linkshänder eher verarschen als helfen, wie z.B. Tassen, Kämme, Schraubendreher oder Klopapier. Scheren, Korkenzieher und Boomerangs für Linkshänder sind nur sinnvoll, wenn sie auch zuverlässig funktionieren und nicht als teurer Gag produziert wurden.

Zum Errichten von Bauwerken, die eigentlich niemand beabsichtigt, wie zum Beispiel innerstädtische vier Meter hohe Mauern, ist es relativ egal, ob man Rechts- oder Linkshänder ist, da Maurerwerkzeuge meiner Kenntnis nach beidseitig bedienbar sind.




PS: "Links umme Ecke rum" ist eine Zeile aus dem Lied "Im Grunewald ist Holzauktion", das vermutlich kaum noch jemand kennt und hat weder mit Linkshändigkeit, noch mit Mauerbau zu tun. Sorry.

Montag, 31. Januar 2011

Montag, 23. August 2010

Heiler allüberall

Nicht nur, dass man mir jetzt auch mitten in Neukölln einen Geistsanierer (lat. sanare ‚heilen‘) - hilft angeblich immer, egal was man hat.... aufschwatzen will, auch hat es, wie ich hörte, der Lärm so nötig, das der Bund viel, viel Geld dafür beiseite gelegt hat.
Das Lärmsanierungsprogramm hilft dem kränkelnden Schall wieder auf die Beine. Es sorgt dafür, dass man bei Fahrten auf Autobahnen und Gleisen zwischen hohen Wänden, in einer Art oben offenen Tunnel fährt, in dem man außer Wänden und Mauern nichts sieht, auf diese Weise auch nicht auf dem Weg von A nach B von störender Landschaft abgelenkt wird und den voll sanierten Schall und Lärm in seiner Vielfältigkeit genießen kann. Für Nichtautobesitzer gibt es ein paar Sonderzugänge, die aber nur mit speziellen Passierscheinen betreten werden dürfen. Mauergewohnte Westberliner früherer Zeiten kennen sich bestens damit aus...

Freitag, 30. Juli 2010

Mama guck mal

da stehen Kamele!


Und zwar auf dem ehemaligen Mauerstreifen zwischen Neukölln und Treptow.

An der Mengerzeile Ecke Harzer Straße.

Mittwoch, 23. September 2009

Wer wohnt denn da?

In diesem Jahr werden ja nicht nur die Astronomie, sondern auch die Wissenschaften im allgemeinen gewürdigt und deshalb habe ich einen Ausflug in den Wissenschaftspark Adlershof gemacht. Ohne ein einziges Haus zu betreten, gibt es auch schon dies und das zu sehen: z.B. Windkanäle.
Gleich hinterm Erwin Schrödinger-Zentrum steht ein großes graues Ei auf der Wiese. Das Ei hat eine Treppe und eine runde Tür. Davor sind kleine rote Ufos gelandet.
"Wer wohl in dem Ei wohnt?" fragte sich Jette auf die ihr eigene Art und Weise.
"Na klar! Schrödingers Katze natürlich!" Und bis heute weiß keiner, ob sie lebt oder tot ist oder beides zugleich... denn die Tür des grauen Eis ist für immer abgeschlossen. Sagt man.
Und so lange niemand nachsieht, wie es der Katze geht, befindet sie sich quantenphysikalisch-logischer Weise in einem Überlagerungszustand, der alles und nichts beinhaltet.

Und wer wohnt in den Ufos? Lauter kleine hochentwickelte pandimensionale Wissenschaftler vom Planeten Magrathea (Planet auf einer Umlaufbahn um die Doppelsonnen Soulianis und Rahm) – die sich als Mäuse tarnen. Natürlich wären sie in diesem Erscheinungsbild ein gefundenes Fressen für Schrödingers Katze, die - sollte sie das graue Ei jemals lebend verlassen - reichlich Hunger haben wird. Eigens deshalb sind die Mäuse auf die Erde gekommen, um das quantenphysikalische Experiment selbst zu überwachen und nicht allein den Labormenschen zu überlassen.


PS: Wer sich für Trudeltürme mit Soundinstallationen interessiert, ist auf dieser Seite völlig richtig!

PPS: Im Norden schließt sich an das Wissenschaftspark-Gelände der HU der ehemalige Flugplatz Johannisthal (der im übrigen justament jetzt im September 100jährigen Geburtstag feiern würde) an. Und wer - im Hinblick auf das Tempelhofer Feld - wissen will, wie sich ein Flugplatz allmählich in ein Naturschutz- & Freizeitgelände verwandelt, kann ja hier schon mal einen Blick über die Bezirksgrenze/den Teltowkanal werfen...

Mittwoch, 2. Juli 2008

Mutprobe

Neulich brachte mich der Zufall vorbei an einem Ort meiner Kindheit. Nun stand ich auf der anderen Seite und blickte über das Wasser des Teltowkanals hinweg verklärt auf meine Erinnerungen. An der Stelle meines Blickwinkels stand zu Kinderzeiten die Mauer. DIE Mauer. Jetzt stehe ich an eben dieser Stelle auf dem frisch asphaltierten Berliner Mauerweg und hinter meinem Rücken eine doppelt so hohe Wand. Nur dass es diesmal keine Besatzungszonen- oder Staatsgrenze ist, sondern der Schallschutz für die neue Autobahn. Und vor mir sehe ich einen Teil meiner Kindheit vorbeiflitzen. Auf Kinderrädern mutig, fast selbstmörderisch den Sandweg an der Wasserkante balancierend.
Die ganze Strecke von der Johannisthaler Chaussee bis runter zum Kraftwerk Rudow.
Kreischend vor Vergnügen darüber, dass noch nie jemand mitsamt dem Rad ins Wasser gefallen ist. Jedenfalls niemand, den wir kannten.
Heute ist der Weg zum großen Teil mit Steinen unterfüttert und stabilisiert.
Und das Kraftwerk hat inzwischen seinen Dienst eingestellt und wird abgebaut.
Für Kraftwerke gibt's kein Gnadenbrot.
Und deshalb ist das Wasser jetzt frei von Schaum.
Und niemand kann mehr seinen Kindern zeigen, wie man bei der Betriebsbahn die Weiche heimlich umstellt.


Berliner Mauerweg bei Berlin.de
Mauerweg-Touren mit Michael Cramer