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Donnerstag, 26. März 2015

Von der Sehnsucht nach Gefahr


 "Warum finden so viele Menschen Krimis toll?" fragt M. 

"Unser Leben kennt kaum noch Gefahren", sage ich spontan, "und so ein Krimi vermittelt zumindest  theoretisch eine gewisse Ahnung davon. Manche gehen weiter. Hausfrauen lassen sich heimlich mit Bondage traktieren. Jugendliche stechen mit Messern auf einander ein oder opfern sich dem Gott des Cristal meth. 15jährige Mädchen ziehen nach Syrien in die Schlachten des IS. Und der Rest guckt eben Krimis. - Nicht mal Autofahren ist mehr gefährlich, wenn die Dinger rundum mit Sensoren ausgestattet sind."

"Meinst Du, wir hätten hier zu lange keinen Krieg gehabt?"
Kaum bemerkbar schwingt in dem Satz die Befürchtung mit, dass ein solcher schon direkt an die Tür klopft.

Ich weiß es nicht. Und schon gar nicht ahne ich auch nur, aus welcher Richtung und in welcher Form die Bedrohung kommen wird. Vielleicht müssen wir, wie die Litauer, wieder die Wehrpflicht einführen und auch im zivilen Bereich "Krieg üben"? Die Angst vor Krieg gärt an vielen Enden und aus verschiedenen Gründen. Vielleicht haben die "Putinversteher" sogar die größte Angst. Paris ist auch nicht gerade weit weg. Viele bauen wieder wie in den Zeiten des kalten Krieges Bunker in den Garten und sammeln Vorräte für Monate. Das ist in einer städtischen Mietwohnung natürlich nicht möglich, da muss man fatalistischer denken. Aber der Westberliner ansich hat ja Übung aus Mauerzeiten, wo man hier ja noch nicht mal Waffen besitzen durfte. Jetzt decken sich viele vielleicht mit recht fragwürdigen Gerätschaften zur Selbstverteidigung ein und wenn dann doch keine Not kommt? Ballern sie aus lauter Frust in der Gegend herum?

Bis an die Zähne bewaffnete "Prepper" decken sich mit allem ein, was man angeblich zum Überleben bei Cyberangriffen, Ebola, Blackout, konventionellem Krieg, Atomkraftwerksunfällen oder der Landung von Außerirdischen braucht und rudern zum Teil gefährlich nah an den sumpfigen Gewässern der einen oder anderen Verschwörungstheorie. Die Prepper glauben, dass man sich für ALLE Eventualitäten vorbereiten muss und: Sie haben genug Geld, um ihre Ängste als Überlebensstrategie zu kultivieren. UND: viele von ihnen erwarten den "Doomsday", den Tag der Rache, das jüngste Gericht. Womit haben die sich denn das wohl eingehandelt?

PS: Ich decke mich schon mal mit Trockenwasser ein.

Dienstag, 24. März 2015

Wald des Jahres



And the winner is?

Na sieh mal einer an: der Grunewald wurde zum Waldgebiet des Jahres gewählt.
Was im 16. Jahrhundert noch Teltower und Spandower Heide genannt wurde, wuchs nach und nach zu einem grünen Wald zusammen. Und so wurde der Grunewald als Forst von alters her ein königlicher und vor exakt 100 Jahren vom "Zweckverband Groß-Berlin" gekaufter Nutzwald.
Und wer hat's gewählt? Die deutschen Förster.

Als Kinder und Jugendliche sind wir ständig im Grunewald herumgestromert. Wir hatten ja nicht anderes. Außer den Tegler Forst. Aber zu dem haben wir nie eine Beziehung entwickelt. Wie zu fast allem, was im Norden Westberlins lag. Besuche in Spandau, dem Wedding oder im Strandbad Lübars waren eher ungewöhnlich. Die Grenze zum Norden verlief in etwa auf der Höhe der Kantstraße. Ein einziges Mal war ich zu eine "Fete" im nördlichsten Norden, in der Invalidensiedlung hinterm Frohnauer Wald eingeladen und war für die Heimfahrt völlig verloren. Gegen 23:30 Uhr gestartet und gut vier Stunden später mit diversen Nachtbussen, Fußwegen und langen Wartezeiten angekommen...
Das sagt alles. Das wiederholt man nicht.


Sonntag, 9. November 2014

Dit dauert...


Vor 25 Jahren war ich bestürzt, wie schnell es ging, zu beschließen dass DDR und BRD sofort ein einziger Staat werden müssen und der Bevölkerung beider Teile keine Chance gegeben wurde, sich erst mal mit allen Perspektiven, Möglichkeiten aber auch Gefahren eines Zusammenschlusses auseinanderzusetzen.
Stattdessen wurde ganz schnell ein großer Saumagen zusammengematscht (wer die größten Fleischstückchen findet, hat gewonnen), mit dem allen das Maul gestopft wurde, egal, ob's ihnen schmeckt oder nicht.


Damals habe ich gesagt, dass das "Zusammenwachsen" MINDESTENS so lange dauern wird, wie die Trennung gedauert hat. Dafür wurde ich damals oft ungläubig angesehen und belächelt. Und? was ist draus geworden? Wir werden noch lange warten müssen, bis sich verschiedene Bevölkerungsgruppen miteinander arrangieren, aber ganz besonders, bis die Regierung unseres Gesamtstaates sich mal ernsthaft darum bemüht, die sogenannten neuen Länder wirklich als Teil des Ganzen zu respektieren und gleich zubehandeln. Und wenn's nur um gleichen Lohn für gleiche Arbeit geht oder z.B. sehr spezielle Rentenreglungen.

Was mir keine spontan befragte Person in meiner Umgebung mit Sicherheit beantworten kann: Gehört das ehemalige West-Berlin eigentlich zu den "neuen" oder den "alten" Ländern? Klar gehört's zu ganz Berlin, aber immer wieder hört man ja von wohn- oder arbeitsortabhängigen Bezahlungsweisen und wer weiß, was da noch alles fein säuberlich diesseits und jenseits des Mauerstreifens differenziert wird.
Manchmal habe ich allerdings auch das Gefühl, dass diesem ehemaligen alten Nicht-Bundesland die jeweils schlechteren Regelungen zugewiesen wurden: miesere Bezahlung, aber höhere Steuern und schnellere Kostensteigerungen...

Es ist nicht leicht, im Internet zuverlässige Aussagen zu finden, als Kostproben kommen hier
3x Wikipedia:
1. Ob West-Berlin zu den alten Ländern gezählt wird... (Absatz: Berlin)
2. Zu unterscheiden sind die Begriffe ostdeutsche Länder... (Anfang, 2. Absatz)
3. Berlin war bereits vor 1990 ein Land... (Absatz: Sonderfall Berlin)

1x Frau Lötsch:
Frau Lötsch (Die Linke) teilt uns mit, das 1998 Westberlin zum neuen Land erklärt wurde.
Und damit ja eigentlich auch den Regelungen der neuen Länder, oder?
Ich frage mich allerdings, warum weiß das außer Frau Lötsch keiner?
(...oder spricht man da nicht gerne drüber?)

Ergänzend noch dies:
Ist seit dem oder vorauswirkend das, was im Bundesstaatlichen Finanzausgleich, Kurzübersicht zu den Regelungen für die Jahre 2005 bis 2019 , Seite 7 unten steht, außer Kraft gesetzt?

Der Bund hat den bisherigen Fonds "Deutsche Einheit" zum 1. Januar 2005 übernommen und in die allgemeine Bundesschuld integriert. Für die Übernahme erhält der Bund eine jährliche Kompensation in Höhe von 2,22 Mrd. Euro von den Ländern. Unter Einrechnung von Entlastungen des Bundes bei den Bundesergänzungszuweisungen und Belastungen aus der Finanzhilfe des Bundes für die Hafenlasten im Zusammenhang mit der Neuregelung des LFA bekommt der Bund von den Ländern einen jährlichen Festbetrag in Höhe von 1,323 Mrd. Euro. Dieser wird neben anderen Festbetragselementen bis zum Jahr 2019 aus dem Umsatzsteueranteil der Länder getragen. Nach Ablauf des Jahres 2019 sind die alten Länder und West-Berlin verpflichtet einen Teil des Restschuldbetrags zu übernehmen, wenn dieser 6,5 Mrd. Euro übersteigt.

Wer genaueres weiß, darf sich hier gerne äußern!

PS: Die symbolischen Luftballons (siehe oben), die symbolisch beleuchtetet an einem recht kurzen, touristenrelevanten, symbolischen Stückchen der früheren Mauerposition in den Nachthimmel entlassen werden, wurden so kostensparend wie möglich in einer Potsdamer Behindertenwerkstatt zusammengebaut...., das kostet wenigstens nicht soviel Steuergelder. Die emsigen ArbeiterInnen (behindert und Ostlohngebiet) erhalten auch nur ein symbolisches Zubrot.


PPS: Internationaler Tag der Ballonkünstler ist am 3. Oktober...

Sonntag, 10. August 2014

Orange Day


(noch ne Giftgeschichte)

In Vietnam ist seit 2009 am 10. August der Orange Day offizieller Gedenktag für die Opfer von Agent Orange. Einmal hätte ich beinahe selbst Agent Orange in Händen gehalten, wenn...

Ja, ich geriet in die sehr spezielle Situation, mich im Chemieunterricht mit der Herstellung von "Agent Orange" zu beschäftigen. Der Chemielehrer reichte mir für meine Projektarbeit ein Buch mit dem prickelnden Titel "Herbizide in Vietnam".
Darin fand ich neben vielen notwendigen politschen Ausführungen auch verschiedene Formeln für verschiedene Gifte. Hei! Da kommt gute Laune auf! Beim Entwirren der Formeln in ein durchführbares Experiment nahm ich die Hilfe meines chemiebaukastenerfahrenen kleinen Bruders in Anspruch, was allerdings nicht für die Herstellung von Agent Orange reichte. Wir entschieden uns dann für ein übersichtlicheres Gift, das aber gar kein extra fieses Herbizid sondern "nur" ein Insektizid werden sollte.



Agent Orange-Fässer waren mit einem orangefarbenen Streifen gekennzeichnet und lagerten auf einsamen pazifischen Inselflug-plätzen (z.B. hier)...








Das Experiment dauerte einige Zeit anstrengender Arbeit unterm Abzug und als ich am Ende ein paar uninteressante Krümel geerntet, ein paar Blattläuse aus dem angrenzenden Park geholt und beides dekorativ in einer Porzellanschale zu einem Folge-Experiment arrangiert hatte, lachten die Blattläuse sich eins und sahen zu, dass sie ohne Umwege wieder nach draußen kamen.
Vermutlich hätte man das Gift auflösen und durch die Gegend sprühen müssen, aber da erklärte der Lehrer die Arbeit für beendet, vielleicht wurde es ihm jetzt doch auch etwas zu ausufernd...

Sonntag, 29. Juni 2014

Meine erste WM


17.06.1970, 16.00 Anpfiff in Mexico City, Estadio Azteca. 50°.
In Deutschland mitten in der Nacht und für Kinder verboten. Trotzdem kletterte ich aus dem Fenster und traf mich mit einer Freundin im Gartenhäuschen ihrer Nachbarn. Die Nachbarn waren noch recht jung und unterstützten unsere mutige Expedition indem sie mit Unmengen von Erdnussflips und Cola aufwarteten.
Es war köstlich und so wunderbar geheim.
Am meisten beeindruckte mich der gefoulte Beckenbauer, der mit ausgekugeltem und wieder festgebundenem Arm einfach weiterspielte! Sowas gibt es nicht mehr. Heute wird schon geweint, wenn nur einer schief guckt. Oder gebissen.
Wer das sogenannte Jahrhundertspiel noch mal nachverfolgen will, kann das hier tun, allerdings mit italienischen Kommentar:



Nachtrag: Ich nehme meine dumme Bemerkung bezüglich des Spielens mit Verletzungen sofort zurück, soviel Kopfverletzungen, Nasenbeinbrüche, angerissene Sehnen und was nicht noch alles da dieser Tage auf den Wiesen der Stadien in Brasilien unterwegs sind...


Dienstag, 17. Juni 2014

Nacktflugverbot am BER

(jmz) Immer mehr Westdeutsche fordern ein Nacktflugverbot für ostdeutsche Flughäfen. Diese Forderung soll vor allem für den in Planung befindlichen BER gelten. Bei den ersten Testbauten, die auf dem zukünftigen Flughafengelände errichtet wurden, zeigten sich doch erhebliche Planungsmängel. Dies betrifft insbesondere empfindliche Zugluftströme in den Abfertigungshallen. Ostdeutsche Passagiere sind von Natur aus abgehärteter, da sie zu einem nicht unerheblichen Anteil an die alte DDR-Freikörperkultur gewöhnt sind.
"Wir hatten ja nichts" ist auch heute noch nach 25 Jahren Grenzöffnung ein gerne angeführtes Argument.
Die Westdeutschen fordern hingegen bessere Klimaanlagen, Fußbodenheizungen in sämtlichen Wartebereichen und Sichtschutz an sämtlichen Glasfassaden: "Wenigstens ein paar ordentlich Stores werden doch wohl im Buget sein!" Manche drohen sogar: "Sonst werden wir, wie schon zu Mauerzeiten die Existenz von Westberlin und und der Zone einfach ignorieren!"

Sonntag, 11. November 2012

Kurbelsäge


Vorgestern war übrigens ganz nebenbei gesagt unter anderem und neben allen Staatsfeierlichkeiten und Gedenken auch "Tag der Erfinder". Schade, dass der Tag in diesem Schatten verschwindet und es nur einen einzigen davon im Laufe des Jahres gibt. Ich plädiere für ein ganzes Jahr der Erfinder, 365 Erfindertage würden vielleicht mehr Ergebnisse hervorbringen - nein besser noch eine ganze Dekade!

Früher, als es noch Stabil-Baukästen gab, waren alle Kinder respektierte kleine Erfinder. Sie mussten/durften ihr Spielzeug mit mit eigener Kraft konstruieren, von zangengebogenen Buddelförmchen aus Blechdosendeckeln bis zur Kurbelsäge aus dem Metallbaukasten.
Dem Neuköllner Kind wurde der einzig wahre Baukasten unter den Weihnachtsbaum gelegt: Ein Stabil-Baukasten aus Franz Walthers Ingenieur Bauspiel -Fabrik in der  Harzer Straße. Hier konnten weder Trix noch Märklin locken, sollten doch die andern damit klarkommen.


In meinen kindliche Erfindergeist mischte sich auch noch  Fischer-Technik und für ein kleines eiförmiges eierndes Riesenrad mit zwei oder drei Gondeln gab's dann auch schon mal einen kleinen Wettbewerbspreis. Dann war aber Schluss mit Baukastenerfindungen.


Die Firma von Herrn Walther ging den Bach runter, nachdem die Mauer das größte Liefergebiet von Westberlin abschnitt. In der DDR enstand die Alternative Technikus und im Westen und Süden Deutschlands war man sowieso mehr der Konkurrenz zugeneigt.

PS: Im letzten Jahr hatte ich schon mal eine Kurbelsäge vorgestellt, allerdings muss es sich da vom Wesen her um gänzlich anderes Ideengut handeln, denn außer der Anwesenheit einer Kurbel scheint es keine Gemeinsamkeiten zu geben.

PPS: Häufiger ist mir im Leben das rechts abgebildete Teil (z.B. auf Flohmärkten) begegnet und außer, das es in einen Matallbaukasten gehörte, hatte niemand einen blassen Schimmer, warum es so eigenartig geformt war. Nun weiß ich's dank der Bauteilbeschriftung auf dieser gefundenen Abbildung.
Jetzt aber frage ich mich, was wohl ein "Gewichtsmotor" sein könnte?
Sowas wie die das Getriebe einer Standuhr mit Ketten und Gewichten?


PPPS: Buddelförmchen selber machen? Ja, so eine Art Tortelett oder  Muffinförmchen.
Ganz einfach - mit Dosendeckel und Zange.


Mittwoch, 6. Juni 2012

Aufgepasst

Transitreisende mit Visum und Erklärung über mitgeführte Gegenstände und Zahlungsmittel: Führen Sie Waffen, Munition oder Sprengstoffe mit sich? Oder wollen sie die Sonne ermorden? Ach so, Sie planen gar keinen Aufenthalt, Frau ... Venus. Na dann: Gute Reise!

Samstag, 31. März 2012

Treffpunkt

Am Alexanderplatz steht eine Uhr, an der sich Jungvolk aus aller Welt traditionell traf. Der Alexanderplatz hat sich in den letzen 20 Jahren Jahren allerdings so verhässlicht, dass sich da wohl keiner mehr verabredet.
In Westberlin gab es auch eine Treffpunktuhr (siehe Abb.). Wo war die nur? Und wo ist sie immer noch? Die Umgebung hat sich allerdings in den letzten 20 Jahren mindestens ebenso verhässlicht, dass sich hier wohl auch kaum mehr jemand treffen mag.

Samstag, 13. August 2011

links umme Ecke rum

rechts umme Ecke rum...
Heute ist Tag der Linkshänder und natürlich auch der Linkshändler, denn letztere machen an solchen Tagen bestimmt wieder prima Umsätze mit Dingen, die Linkshänder eher verarschen als helfen, wie z.B. Tassen, Kämme, Schraubendreher oder Klopapier. Scheren, Korkenzieher und Boomerangs für Linkshänder sind nur sinnvoll, wenn sie auch zuverlässig funktionieren und nicht als teurer Gag produziert wurden.

Zum Errichten von Bauwerken, die eigentlich niemand beabsichtigt, wie zum Beispiel innerstädtische vier Meter hohe Mauern, ist es relativ egal, ob man Rechts- oder Linkshänder ist, da Maurerwerkzeuge meiner Kenntnis nach beidseitig bedienbar sind.




PS: "Links umme Ecke rum" ist eine Zeile aus dem Lied "Im Grunewald ist Holzauktion", das vermutlich kaum noch jemand kennt und hat weder mit Linkshändigkeit, noch mit Mauerbau zu tun. Sorry.

Samstag, 30. April 2011

Linie 7

Ich hab ne alte Skizze wiedergefunden, und wie man sieht, waren in den frühen 80ern türkische Frauen nicht unbedingt vorbildhaft gut gelaunt, aber zumindest fröhlicher angezogen (trotz blickdichter Elastanstrümpfe) und kauften auch schon damals unnatürlich große Mengen gesundes Gemüse!

Und die PAECHbrot-U-Bahn-Werbung versuchte, sich mit einem flotten Ramadan-Spruch den neuen Gegebenheiten anzupassen:

Beim Ramadan denkt Ögyr Gümel
immer nur an PaechBrot-Krümel

Was hat sich noch geändert? Die BILD hat inzwischen buntere Bilder gekriegt und Stiefeletten im Prinz-Eisenherz-Stil gibt es nicht mehr (eigentlich schade, ich hatte auch welche und die waren sehr angenehm zu tragen!), Leggings hingegen sind nie ganz ausgestorben. Türkis und Mint als Modefarben waren auf dem Weg zu ihrem bislang größten Hoch.
Für Brustkrebsvorsorge wurde mit Botticellis "Geburt der Venus" geworben.
Die Heizung unter der Sitzbank mit grün-marmoriertem Kunstlederpolster konnte im Winter so heiß werden, dass das Gemüse schon in der Tüte vorgegart wurde. Und die Tüte stammt von einer türkischen Handelskette, die gibt's wohl inzwischen auch nicht mehr.
Die Wände sind nicht mehr mit braunen Holzimitaten verkleidet und der Boden hat auch kein braunes Linoleum mehr.
Postpakete sind heute normalerweise vorgefertigt gelb und haben Klebeband und selten Strippe außenrum. Sitzpolster sind jetzt aus grau-bunt gemusterten kratzigen Plüsch. Nur die Kacheln auf dem U-Bahnhof Möckernbrücke sind immernoch knallgelb und werden es wohl auch noch lange bleiben.

PS: Heute vor 25 Jahren hatte "Linie 1" im Gripstheater Premiere. Am Tag vorher sickerte erstmalig durch, was in Tschernobyl vier Tage zuvor passiert war. Ich saß unwissend wie alle in den Tagen dazwischen in der Vorpremiere und hatte viel Spaß...

Sonntag, 21. November 2010

Erhellung

vorher (schon eingepackt)
nachher
Das war aber überfällig!
...und eine hervorragende Aktion zum Beginn der dunkelsten Phase im Jahr.

Vor 30 Jahren, als diese Küche "modernisiert" wurde, waren Holzpanele an der Decke für viele "gemütlich" und erfüllten eine gewisse "Sehnsucht" nach "Heimat". Vor allem für die vielen zugereisten jungen Menschen aus den ländlichen Gebieten im Süden und Westen der Republik. Aber nun ist Schluss mit Westberliner Studentenromantik!

Donnerstag, 18. November 2010

Eiskalt erwischt

Warum gerade heute Väterchen Frosts Geburtstag ist, weiß eigentlich keiner, nicht mal in dem Moskauer Museum, das sich speziell der Geschichte des russischen Weihnachtsmanns/Herrn Winters/Djeduschka Moros' widmet.

Das Westberliner Kind hat Anfang der 60er Jahren, als es auf westlichen Kanälen noch kein ordentliches Kinderfernsehen gab, gerne am Samstag "Meister Nadelöhr" gesehen.

Und dort lernte es, dass der weißbärtige Mann mindestens genauso alt wie die Hexe Babajaga sein müsste.

Ob das aber wirklich so ist oder ob er eine Erfindung des 20. Jahrhunderts ist, darüber streitet man gerne.
Selbst ein Bild machen kann man sich bei dem Film "Abenteuer im Märchenwald" 1964 (Original "Morosko").

(Bild 2 und 3 von maerchenfilme.com, Bild 1 von prenzlberglive.de)


Montag, 23. August 2010

Heiler allüberall

Nicht nur, dass man mir jetzt auch mitten in Neukölln einen Geistsanierer (lat. sanare ‚heilen‘) - hilft angeblich immer, egal was man hat.... aufschwatzen will, auch hat es, wie ich hörte, der Lärm so nötig, das der Bund viel, viel Geld dafür beiseite gelegt hat.
Das Lärmsanierungsprogramm hilft dem kränkelnden Schall wieder auf die Beine. Es sorgt dafür, dass man bei Fahrten auf Autobahnen und Gleisen zwischen hohen Wänden, in einer Art oben offenen Tunnel fährt, in dem man außer Wänden und Mauern nichts sieht, auf diese Weise auch nicht auf dem Weg von A nach B von störender Landschaft abgelenkt wird und den voll sanierten Schall und Lärm in seiner Vielfältigkeit genießen kann. Für Nichtautobesitzer gibt es ein paar Sonderzugänge, die aber nur mit speziellen Passierscheinen betreten werden dürfen. Mauergewohnte Westberliner früherer Zeiten kennen sich bestens damit aus...

Mittwoch, 6. Januar 2010

Orientierungslose Sprachverwirrung

im Herzen Neuköllns:
„Typisch DDR, man versteht mal wieder kein Wort!“
Diese Worte kamen aus dem Mund einer jungen Frau, die sich als „ich bin ja nur Französin“ gegenüber einem türkischen Gemüsehändler outete, den sie um eine Auskunft gebeten hatte, von dessen Antwort sie aber nichts verstand.
Was sie mit "typisch DDR" genau meinte, blieb verborgen. Glaubte sie vielleicht, einen sächsischen Dialekt in der Sprache des Gemüsehändlers erkannt zu haben, - der im übrigen ein halbwechs integriertes Deutsch spricht und dessen halbwüchsige Tochter kein Kopftuch trägt - im Gegenteil zu dem, was Herr Sarrazin gemeinhin von türkischen Gemüsehändlern erwartet...
Zurück zu unserer Französin: im besten Fall war sie einfach nur völlig orientierungslos, im schlechtesten bildungsresistent in geografischer Geschichte. Aber wir wollen nicht kleinlich sein - zu Mauerzeiten vermuteten ja selbst die Bayern, das Westberlin irgendwo an der Grenze zwischen Niedersachsen und der DDR läge... Und was weiß der junge Durchschnitts-Neuköllner schon über die wechselvolle Geschichte Elsaß-Lothringens?
Leider war die junge Französin sehr ungeduldig missgelaunt, dass keine Gelegenheit blieb, ihr weiterzuhelfen. Vielleicht beim nächsten Mal.

Montag, 9. November 2009

Wo warst du, als...

...die Mauer geöffnet wurde?
Im Bett mit 39,5° Fieber.
Und wie fandest du das?
Komatös.

Der Westberliner ansich wird ja eigentlich auch nicht gefragt, wie ers fand. Weder das Aufwachsen und Leben mit Mauer* - das wird völlig ignoriert - noch was er am 9. November so dachte... Da hat er ausschließlich politisch korrekt zu antworten, und deshalb braucht man ihn nicht fragen.

Aber wenn ich mehr dazu erzählen darf, beginne ich ungefähr ein halbes Jahr vorher. Im Mai 89, als in der DDR so langsam alles hochzukochen begann, aber niemand mir bekanntes im Westen auf die Idee kam, dass die Mauer eingerissen werden könnte. Die, die andauernd von den bedauernswerten "Schwestern und Brüdern in der Zone" redeten, waren für uns sowieso nur Heuchler, die sich in Wahrheit nichts mehr wünschten, als dass die Mauer geschlossen bliebe. Ich befand mich gerade in einer Ausbildung und eine Soziologie-Dozentin fragte: Wie fändet ihr das, wenn jetzt die Mauer aufginge?
Die meisten schauten etwas verwundert sprachlos und konnten mit der Frage nichts anfangen. Dreien entgleisten die Gesichtszüge - sie waren vor kurzer oder längerer Zeit unter schwierigen Umständen aus der DDR geflüchtet, ausgewandert oder rausgeschmissen worden - was sie uns aber erst nach diesem Schultag genauer erzählten.
Und in die erstarrte Situation hinein sagte ich dann: Das ist Quatsch, man kann die Mauer nicht mal eben so wegnehmen und dann is Eierpopeia. So einfach geht das ja wohl nicht, denn schließlich haben sich ja da zwei völlig verschiedene.... usw. usw. Nach dieser Ansage kam dann noch eine, wenn auch zögerliche Diskussion zustande. Die ernstgemeinte Phantasie einer bevorstehenden Wiedervereinigung hatte allerdings niemand.

Im Spätsommer oder Frühherbst, zu einer Zeit, wo die Rosen noch in prächtigster Blüte stehen kam in der täglichen Morgensendung des SFB2 ein Beitrag mit einem Reporter, der sich gerade im Garten eines Bewohners am Rande von Staaken-Gartenstadt befand. Der Bewohner regte sich entsetzlich darüber auf, dass über Nacht die DDR-Grenzpolizisten damit angefangen hätten, die Mauer einzureißen, ausgerechnet bei seinem Garten haben sie damit angefangen und nun seien seine ganzen Zuchtrosen zerstört. So ginge das schließlich nicht und überhaupt!
Nach ein, zwei Musikeinspielern und ca. 22 Myriaden Anrufen in der Redaktion wurde die Zuhörerschaft an den Radioapparaten aufgeklärt, dass es sich um eine fiktive Reportage gehandelt habe und dass man nur mal habe sehen wollen, wie der Westberliner so reagiert...

Als ich dann am Abend des 9. November fieberkrank im Bett lag, bei laufenden Programm dahindämmerte und erst bei den Nachrichten wieder wacher wurde, als es hieß "Die Mauer ist auf", dachte ich nur 'Was für ein Quatsch! Mit dem Thema macht man keine Späßchen!'
Einen Moment später stutzte ich und dachte 'Ach Du Scheiße!' und dann 'Naja, jetzt kann wenigstens niemand mehr sagen: Geh doch in'n Osten, wenn's dir hier nicht passt!'
Halbwegs geglaubt habe ich es aber erst am nächsten Tag.

Ja, so war's.

Und erst drei Tage später, immer noch einigermaßen krank, hab ich's mir dann mit eigenen Augen angesehen. Am Potsdamer Platz in der Nacht.

Und danach fiel mir erst ein, Fotos zu machen.
Mein peinlichstes Lieblingsfoto:
DDR-Bürger stehen frierend in langer Schlange an, um sich aus einem Lastwagen heraus von einem türkischen Herrn je vier rosa Begrüßungsnelken schenken zu lassen.
Dann gingen sie weiter und stellten sich an einer Gulaschkanone an, um Linsensuppe oder einen Becher Kaffee entgegenzunehmen.
Beim Essen und Trinken waren die Blumen im Weg.
Deshalb lagen sie später am Tag welk und zertreten auf dem modderig kalten Boden des Lenné-Dreiecks.

Und dann waren ein halbes Jahr lang sämtliche Bahnen und Busse dauerverstopft, beim Einkaufen musste man hinter der Kasse gut seinen Einkaufswagen festhalten, sonst konnte er schnell von Menschen, denen das zum Teil mehrfach abgeholte Begrüßungsgeld immer noch zu wenig war, geklaut werden und ich kriegte zum ersten Mal in meinem Leben einen längeranhaltenden Appetit auf Bananen.

PS: Heute feiert die (leider nicht neuköllnische) Scheinbar ihren 25. Geburtstag, aber dazu morgen mehr.

*) Übrigens, vielen Dank Herr Broder, der Sie neulich im Radio laut betonten, dass Ihnen Westberlin völlig am Arsch vorbeigegangen sei (Ihr genauer Wortlaut blieb bei mir nicht haften, war aber vergleichsweise achtungslos). Das stärkt den Bezug zur eigenen Geschichte und Herkunft ungemein! Ich muss mal drüber nachdenken, ob mir Katowice möglicherweise auch völlig Schnurz ist, mitsamt aller Menschen, die dort aufgewachsen sind...
Vielen Dank für den Denkanstoß.

Sonntag, 24. Mai 2009

Zeit und Luft





Da braucht Jette eine Stoppuhr, kann einfach keine finden, also baut sie sich eine selbst.
Nun findet sie sie zwar sehr gelungen, aber irgendwie langweilig.
Also überlegt Jette nach einem interessanteren Design und was fällt ihr ein? Die gute alte Berliner Mengenlehreuhr!
Eine Berliner Erfindung und Neuköllner Produktion, auch für die Bürowand oder den Nachttisch.
Die gab's einst in jedem Souvenirgeschäft, gleich neben den Dosen voller Berliner Luft. Die große Originaluhr wurde 1975 am Ku-Damm aufgestellt und ist in den neunzigern zum Europacenter umgezogen. Jette hat sie gesucht und schließlich in einer sehr versteckten Ecke in der Budapester Straße entdeckt.
Nachdem die Uhr zwischenzeitlich nur als diffuse Straßenlampe herumstand, funktioniert sie jetzt wieder und wie man sieht, war es beim Fotografieren gerade 19:15h.
Seit zwei Jahren wird die "Berlin-Uhr" wieder in allen Größen bis 10 Meter Höhe produziert, aber die kommen nun aus einem kleinen Dorf bei Worms.
Berliner Luft kommt, wie man sich denken kann, auch in den seltensten Fällen aus Berlin (siehe unten).

Und was ist nun eine Berliner (Mengenlehre-) Uhr?
Hier eine flash-Fassung von wem anders.
Und hier kann man sich ein kleines Windows-Programm herunterladen.

Und wie liest man die Uhr?
Kurze Erklärung:
Die 24-Stunden-Zeit wird durch Addition der leuchtenden Lämpchen ermittelt. Die oberste Lampe ist ein Blinker, der alle zwei Sekunden einmal an und aus geht. In der ersten Zeile von roten Lampen steht jede Lampe für 5 Stunden. In der Zeile darunter steht jede rote Lampe für 1 Stunde. Wenn in der obersten Zeile z.B. 2 und in der darunterliegenden Zeile 3 Lichter angeschaltet sind, so ist es 5+5+3 = 13 Uhr bzw. 1 Uhr nachmittags. In der dritten Zeile repräsentieren die schmaleren Lichter jeweils fünf Minuten. In dieser Zeile sind 11 Lichter, wobei das 3., 6. und 9. rot statt gelb sind, um die 1. Viertel-, die Halbe- und die 3. Viertelstunde zu markieren. In der letzten Zeile mit vier gelben Lichtern steht jedes Lämpchen für 1 Minute.

Die Original-Berliner Luft wurde zwar ursprünglich, aber schon lange nicht mehr in Berlin abgefüllt, sondern in Lübeck. Und inzwischen auch in Pforzheim und wahrscheinlich auch in China. Doch natürlich gab es auch in Berlin plumpe Nachahmer, die dann auch schon mal wegen zu viel Feinstaub in der Dosenluft Ärger mit der EU bekamen.
Wo haben die denn die Dosen verlötet? In der Silbersteinstraße zur Hauptverkehrszeit?



Hat ein Tourist in der Not eine Dose geöffnet und ist an Staublunge gestorben?
Haben die bei der EU nichts wichtigeres zu tun?
Hm. In zwei Wochen ist mal wieder "Europa-Wahl".
Die ersten Originaldosen waren übrigens nur ein lustiger Spaß und wurden mit Konfetti zugeklebt - darüber gab es mal irgendwo einen Film.

Und hier ist dann noch mal die Stoppuhr im neuen Design...
Ist die schöner?
Nö. - Aber so anders.
Und natürlich zählt sie keine 24 Stunden, sondern nur 30 Minuten und viele einzelne Sekunden.
Bräuchten wir nicht eigentlich auch noch Zehntel-Sekunden?

Dienstag, 19. Mai 2009

Na guten Morgen

Bis wann sagt man 'guten Morgen' und ab wann wird man dafür komisch angesehen? Darüber hatte ich heute Vormittag ein kleines Gespräch, bei dem mir eine sehr frühe Lieblingsfernsehsendung wieder einfiel.
Nicht jeder Westberliner hat alles schrecklich gefunden, was irgendwie nach nach DDR aussah, vor allem, wenn's im Fernsehen stattfand. Die meisten beschränkten sich vielleicht auf Willi Schwabes Rumpelkammer, Meister Nadelöhr und das Sandmännchen, ich hatte noch ein paar weitere Favoriten: z.B. einen hervorragend komischen Englisch-Unterricht im DDR2-Funk - da soll mir niemand erzählen, dass er im Osten keine Möglichkeit gehabt hätte, Englisch zu lernen!

Das beste war allerdings 'Außenseiter-Spitzenreiter' (die Sendung mit dem Kuckuck). Ein früher Beitrag in der Sparte 'absolut überflüssiges Wissen'. Ich weiß, die Sendung gibt es heute noch, aber nur dem Titel nach, der Inhalt ist extrem öde geworden.
Damals wurden Menschen ohne Vorwarnung in ihren Badewannen überfallen (peinlich, peinlich) um diese Frage beantworten zu können: "Wann und in welcher familiären Reihenfolge baden die DDR-Bürger?"
"Wo befindet sich der Mittelpunkt der DDR?" forderte zu umfangreichen Waldwanderung einschließlich Schildaufstellung heraus.
Weitere Fragen waren: "Gibt es noch sogenannte Dorfschönste, und wenn ja, wo wohnt die schönste Dorfschönste?" - "In welchem Restaurant wird der längste Bindfaden um eine Kohlroulade gewickelt?" (ich weiß nicht mehr wo, aber es waren zich Meter schwarzen Nähgarns! Von den Rouladen war nicht viel zu sehen...) - "An welchem Bahnübergang der Republik ist die Schranke die längste Zeit am Tag geschlossen?" (ich weiß auch nicht mehr wo, aber auf jeden Fall war die Schranke nur zweimal am Tag für je eine halbe Stunde geöffnet, und das besondere war, dass die meisten Bewohner des Ortes auf der einen Seite der Schranke wohnten, während sich die gesamte Infrastruktur auf der anderen Seite befand....) und nicht zuletzt wurde erforscht, bis wann der DDR-Bürger durchschnittlich 'Guten Morgen' sagt, und heraus kam 11 Uhr 24 oder 11 Uhr 27 oder... jedenfalls gegen halb zwölf.
UND NICHT 9 UHR 30!

So. Das war ganz nebenbei auch ein kleiner Beitrag zu "20 Jahre Mauer-auf" und die bald vergessene Zeit davor.

Sonntag, 23. November 2008

Watt'n? Ratten???

Wer hätte das gedacht: nach gut 700 Jahren Pause hat Hameln mal wieder eine Rattenplage. Im Interview mit dem Kammerjäger (deren weibliche Pendants nicht Kammermädchen heißen!) fragte (so oder ähnlich) ein RadioEins-Moderator:

Gibt es heutzutage nicht auch andere Möglichkeiten, den Ratten beizukommen?
Antwort des Rattenfängers:
Naja, wir töten ja human.
Hoppsala, dachte ich, Ratten sind also doch Menschen? Und erinnerte mich dann aber schnell, dass "humane Tiertötung" einzig dem Zweck dient, für den empfindlichen Menschen in der Vorstellung oder auch beim Zusehen erträglicher zu sein.
Was das Tier davon hält, ist nach wie vor kein Thema, dafür gäbe es ja auch gar kein Wort. Animale Tötung? Oder faunale? Tiergerechte Tötung?
Und wie sieht es mit der "menschengerechten Tötungsweise" für Menschen aus? Des Amis Spezialität....
Apropos: Immer mal wieder regen sich die einen oder anderen darüber auf, dass die Hessen noch heute in ihrer Verfassung die (nicht durchführbare) Todesstrafe zu stehen haben, aber kaum jemand hat sich öffentlich über folgendes aufgeregt (oder hab ich's nur vergessen?):
Das Besatzungsstatut sah in West-Berlin für „strafbare Handlungen gegen die Interessen der Besatzungsmächte“ weiterhin die Todesstrafe als Höchststrafe vor.
...und die wäre durchführbar gewesen....

Alles weitere zur deutschen Todesstrafen bei Wikipedia....

Alles Gute dann noch zum "Totensonntag"!

Mittwoch, 2. Juli 2008

Mutprobe

Neulich brachte mich der Zufall vorbei an einem Ort meiner Kindheit. Nun stand ich auf der anderen Seite und blickte über das Wasser des Teltowkanals hinweg verklärt auf meine Erinnerungen. An der Stelle meines Blickwinkels stand zu Kinderzeiten die Mauer. DIE Mauer. Jetzt stehe ich an eben dieser Stelle auf dem frisch asphaltierten Berliner Mauerweg und hinter meinem Rücken eine doppelt so hohe Wand. Nur dass es diesmal keine Besatzungszonen- oder Staatsgrenze ist, sondern der Schallschutz für die neue Autobahn. Und vor mir sehe ich einen Teil meiner Kindheit vorbeiflitzen. Auf Kinderrädern mutig, fast selbstmörderisch den Sandweg an der Wasserkante balancierend.
Die ganze Strecke von der Johannisthaler Chaussee bis runter zum Kraftwerk Rudow.
Kreischend vor Vergnügen darüber, dass noch nie jemand mitsamt dem Rad ins Wasser gefallen ist. Jedenfalls niemand, den wir kannten.
Heute ist der Weg zum großen Teil mit Steinen unterfüttert und stabilisiert.
Und das Kraftwerk hat inzwischen seinen Dienst eingestellt und wird abgebaut.
Für Kraftwerke gibt's kein Gnadenbrot.
Und deshalb ist das Wasser jetzt frei von Schaum.
Und niemand kann mehr seinen Kindern zeigen, wie man bei der Betriebsbahn die Weiche heimlich umstellt.


Berliner Mauerweg bei Berlin.de
Mauerweg-Touren mit Michael Cramer