
Karriereberater machen manchmal seltsame Vorschläge.
Doch wer es ernst meint mit der eigenen Zukunft, sollte sehr vorsichtig sein mit "einen Schritt weiter gehen".
Vor allem, wenn der Zug gleich einfährt.
Dann könnte es mit der Zukunft, selbst als Zugführer schnell zu spät sein.
Psssst, ich hab noch ein paar Ns zu verkaufen.
Montag, 14. September 2015
Karriere
hingeworfen von
Jette
0
Kommentare
Bröckchen: Alltag, Berliner, der Nase nach, Ecken + Kanten, Fundstück, hoppsala, Kommunikation, lach mal, Neukölln-Rixdorf, Öffentlicher Nahverkehr, unterwegs
Freitag, 19. Dezember 2014
Die neue Rentnermaut
Ab 1. Februar 2015 soll in ausgesuchten Kleinstädten (s.u.) unabhängig von der Planung einer allgemeinen PKW-Maut eine Rentner-Maut getestet werden.
Rentner halten zunehmend den fließenden Verkehr auf. Dieser Erkenntnis liegt u.a. der demografische Wandel zugrunde, der sich besonders in Kleinstädten mit idyllischer Lage und in den Vorstadtgebieten größerer Metropolen nachweisen lässt.
Rentner als Verkehrsteilnehmer welcher Art auch immer haben die Neigung, den durch ausgeklügelte Ampelschaltungssysteme erzeugten gleichmäßigen Verkehrsfluss nachhaltig zu stören oder sogar aufzuhalten. Das liegt zum Teil an häufiger auftretender Demenz, wie auch der ganz bewussten Ignoranz gegenüber dem zunehmenden Tempo des allgemeinen Weltgeschehens.
Verminderte körperliche Fähigkeiten spielen auch eine nicht unerhebliche Rolle, da sich nach wie vor nur ein kleiner Teil der betroffenen Bevölkerungsgruppe nachweislich ausreichend sportlichen Betätigungen widmet, um bis zum Ende des zu erwartenden Lebensalters fit genug für die täglichen Herausforderungen zu sein.
So kommt es immer wieder zu unerträglichen Störungen des Straßenverkehrs, weil die raffiniert programmierten Lichtanlagen zu häufig sinnlos erscheinen. Nun soll durch die neue zukünftige Zwangsabgabe ab dem Tag des Altersrenteneintritts dazu beitragen, Möglichkeiten zu erforschen und Techniken zu entwickeln, Rentner zuverlässig von der Straße fernzuhalten.
"Damit schlagen wir gleich mehrere Fliegen mit einer Klatsche", äußerte der Sprecher einer von Dobrinth, Gröhe und Schwesig extra ins Leben gerufenen Arbeitsgemeinschaft, Hans Schneiderlein in einem Interview, "einerseits machen dann die Verkehrssteuerungsanlagen wieder erkennbaren Sinn, des weiteren stören senil herumtatternde Greise nicht mehr die jung-dynamische Ausstrahlung unsere Stadtbilder und nicht zuletzt: fitte Rentner werden so lange als irgend möglich produktive Wirtschaftsfaktoren darstellen, statt den Rentenkassen auf der Tasche zu liegen."
Möglicherweise erübrigt die Rentner-Maut sogar die stark in Kritik geratene Ausländer-Maut (neu: "Infrastrukturabgabe"), da die Zahl verkehrsunfähiger Greise schon in wenigen Jahren so immens ansteigen wird, dass die Gruppe der zu taxierenden Ausländer dagegen "einen Klacks" darstellt. Bairische und thüringische Vertreter in der Arbeitsgruppe diskutieren außerdem, ob ausländische Rentner und vor allem Flüchtlingsrentner möglicherweise eine höhere Maut zahlen sollten, wenn sie das Wort "Infrastrukturabgabe" nicht akzentfrei aussprechen können.
Wo und wie lange wird die Rentner-Maut getestet? Für den Rentner-Maut-Test, der sechs Monate bis zum 31. Juli dauern soll, wurden per Losverfahren alle deutschen Kleinstädte mit Lu am Anfang und einer Einwohnerzahl zwischen 18000 und 20000 bestimmt.
hingeworfen von
Jette
0
Kommentare
Bröckchen: Alltag, altersbedingt, hoppsala, Interview, Öffentlicher Nahverkehr, Traumsuse, unterwegs, Verdruss, Zukunft
Dienstag, 18. März 2014
Pariser Luft
Großartig! Die Pariser haben endlich endlich auch dicke Luft für alle. Leider hat eine von der Regierung gesponsorte Frischluftlobby sich zwischenzeitlich durchgesetzt und für Autofahrverbote gesorgt! Dadurch wird die Pariser Luft leider wieder unmäßig und auf geradezu homöopathische Art und Weise verdünnt, dass die weitaus größere Bevölkerungsgruppe der Dickluft-Verbraucher sich vorbehalten, gerichtlich gegen solch eine Volksverarsche vorzugehen. Die totale Dilution der dicken Luft durch massive Autofahrverbote bedeutet für die meisten Pariser eine weitreichende Katastrophe, schon allein deshalb, weil sie keine Erfahrung in der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel haben und nun zu abertausenden hilflos im Nebel herumirren müssen. Das kann ja wohl bitteschön nicht im Sinne der Behörden sein!
hingeworfen von
Jette
0
Kommentare
Bröckchen: Alltag, der Nase nach, Frühling, Öffentlicher Nahverkehr, Wahnsinn
Sonntag, 22. Dezember 2013
Besinnungslos
Bei der Hatz nach Weihnachttrubel gerät schon mal das eine oder andere ins Wanken. Plötzlich steckt der Kopf eines kleinen dicken Mannes in der selbsttätig schließenden U-Bahntür, dann verliert ein hochgewachsener schwedischer Herr die Balance und trudelt schlenkernd durch sieben Achtel des Zugabteils, im achten Achtel gelingt es ihm endlich, mit Hilfe anderer Passagiere, den Halt wiederzuerlangen. Allüberall schlägt einem zu jeglicher Tageszeit warmsüßer Alkoholgeruch die Nase blau, und plötzlich und unvermittelt in der Fasanenstraße angekommen, erinnert sich mein Hirn ebenso plötzlich und unvermittelt an winterliche Erbsensuppe bei Aschinger am Zoo.
Ich war noch zu klein für Erbsensuppe und außerdem mochte ich den Speck darin nicht, ich bekam schaumige süße Mixmilch. Draußen regnete es trostlos vor sich hin, wie zu oft im Dezember, drinnen war es warm und voller plappernder Menschen, die sich alle sehr wichtige Informationen mitteilten, denn es gab noch kein Handy, sms, twitter oder sonstewas.
Ein paar wenige verbrachten hier ihre Wartezeit für einen Fernzug nach irgendwo im fernen Westdeutschland.
Beim Weihnachtsbaum hatte man noch die Wahl zwischen Fichte, einfacher Tanne, Blautanne und was nicht noch alles. Heute gibt's ja nur noch kostspielige Nordmannstannen und für ein paar knorrige Exoten werden ein paar knorrige Kiefern angeboten.
Im Kindergarten hingen süße Kringel und Sterne im Baum, die wir uns an dunklen, aber recht gemütlichen vorweihnachtlichen Nachmittagen mit einem langen Haken herunterangeln durften. Um in den Besitz des Hakens zu kommen musste man jedoch zuvor Eine Aufgabe lösen. Etwas aufsagen, vorsingen oder ein Rätsel lösen, z.B. ein solch stimmungsvoll-romantisches:
wer es kauft, der will es nicht;
wer es braucht, der weiß es nicht.
Die Antwort gibt's beim nächsten Mal.
hingeworfen von
Jette
0
Kommentare
Bröckchen: Berliner, einkaufen, feiern, Fragen, Geschichte, hoppsala, Jugend, Neukölln-Rixdorf, Öffentlicher Nahverkehr, Spiel + Spaß, unterwegs, Weihnachten, Winter
Freitag, 6. Dezember 2013
Zwangsverpufft
![]() |
| Puffbeleuchtung selber basteln |
Was wird das denn nun wieder für eine seltsame Gesetzeseskapade: "Freier, die wissentlich zu Zwangsprostituierten gehen, sollen bestraft werden".
Nicht etwa, dass ich was dagegen hätte, aber: Wenn der Polizei nachweislich bekannt ist, dass da jemand bei einer Zwangsprostituierten war, was ja die Basis für eine Bestrafung wäre, wieso schließt sie dann nicht das jeweilige Etablissement, bevor es der später zu bestrafende Freier überhaupt betreten kann? Wie will man denn herausfinden, ob der Freier tatsächlich von einer Zwangssituation wissen musste?
Ist das nicht ein bisschen verkehrte Welt?
Ich kapier's nicht.
Ist die Situation etwa tatsächlich so, dass die Polizei genau weiß, wo überall Zwangsprostitution stattfindet, aber - aus welchen Gründen auch immer - unfähig ist, diese Örtlichkeiten zu schließen und die Betreiber festzusetzen? Stattdessen liegen sie draußen vor der Tür auf der Lauer und fangen alle ab, die wieder rauskommen! Warum warnen sie nicht die, die da reingehen wollen? Das würde den Mädels drinnen vielleicht was ersparen. Dem Staat erspart es dann allerdings auch diese geradezu genialistisch, neu erfundene Einnahmequelle...
Und darum geht's bei dieser Gesetzesidee doch wohl eigentlich, und nicht um die Einschränkung oder gar Abschaffung von Zwangsprostitution! Man muss halt nur sehen, wie man daran mitverdienen kann. Wie beim Alkohol und dem Tabak (bei gleichzeitiger Todesandrohung)... Ich wundere mich auch, dass ich bislang keine/n Kommentator/in gesehen, gehört oder gelesen habe, der/die eben diesen Gedanken mal thematisiert hätte.
Vielleicht sollte man mal alle Prostituiertenbesuche mit 'ner richtig fetten Freier-Steuer belegen. Alle Prostitutionsbetriebe werden zur ordentlicher Buchhaltung verpflichtet, alle Besuche werden quittiert. Die auf der Lauer liegenden Polizisten werden für die Steuerfahndung umgeschult und dann geht's ab, heidiwitzka! Nun können sie mit Recht registrieren, wer die Institutionen verlässt und ihnen die Steuerbescheide gleich hinterherschicken. Und wer schlampert kriegt 'ne Zwangsvollstreckung.
Nun ja, man merkt wahrscheinlich, dass ich von diesem Gewerbe nicht den blassesten Schimmer habe.
Apropos: Bei meinem letzen Hamburgbesuch (bei vorhergehenden hatte es mich nie interessiert) war ich einigermaßen enttäuscht von der reichlichen Mickrigkeit der "Großen Freiheit". In Film und Fernsehen vermittelte sich mir der Eindruck kompletter Überdimensioniertheit, die Realität dagegen ist ja fast lächerlich.
PS: Mir ist ganz und gar unnikoläusisch, hab noch nicht mal Schokolade im Haus!
hingeworfen von
Jette
0
Kommentare
Bröckchen: Alltag, aufgeschnappt, Ecken + Kanten, Fragen, hm., hoppsala, Migrationshintergrund, neunmalklug, Öffentlicher Nahverkehr, Politik + Platitüden, Recht und billig, Sozialprogramm
Donnerstag, 22. November 2012
Feetbag, vorgewärmt
Nicht mehr ganz zeitnah aber trotzdem nicht vergessen: Beatacts für die letzten KommentatorInnen:
@ Cornelia: Ich warte wohl noch lange auf den Tag, wo ein Busfahrer den roten Teppich ausrollt, wenn ich angehetzt komme. Aber dann... gibt's Champus für alle!
@ Tina: Bei der mündlichen Version hatte ich die kurze Szene mit dem bösen f-Wort tatsächlich vergessen...
@ Stephan: Und nicht nur die!
@ Helge: Bitte!
PS: Und zum Abschluss noch ein beetfact: Runkelrüben halten sich am besten bei 4° Lagertemperatur.
hingeworfen von
Jette
0
Kommentare
Bröckchen: Flashback, Herbst, Öffentlicher Nahverkehr, Recht und billig
Mittwoch, 31. Oktober 2012
Höflichkeit für alle
Ich musste heute mal wieder weit durch Stadt und Land, also bis ans andere Ende Berlins fahren, genau gesagt nach Zehlendorf-Mitte. So sagte man früher. Heute heißt das "Zehlendorf-Eiche".
In der Gegend kenne ich mich mit den Buslinien nicht gut aus, aber von U-Oskar-Helene-Heim fahren angeblich alle Busse da vorbei. Prima, an der Haltestelle steht gerade ein X-Bus, ich renne, bin die letzte, stolpere hinein.
"Sie halten auch Zehlendorf-Eiche?" Bei X-Bussen weiß man ja nie so genau.
"Morgen."
Was will mir der Busfahrer damit sagen? Heute nicht, aber morgen?
"Morgen?"
"Guten Morgen!"
Ah, er achtet auf Höflichkeit.
Warum dann aber der belehrende Unterton?
Und warum nur ein knappes, kaum erkennbares Kopfnicken als Antwort auf meine Frage?
Ein Beispiel von Höflichkeit?
hingeworfen von
Jette
1 Kommentare
Bröckchen: Alltag, Berliner, der Nase nach, hoppsala, Kommunikation, Öffentlicher Nahverkehr, unterwegs
Montag, 22. Oktober 2012
würde mit Würde
Ich selbst habe früher in der vollen U-Bahn oft die Wendung
"Tschuldigung, ich würde gerne durch." benutzt, wenn ich bis zum Halt am nächsten Bahnhof noch die Tür erreichen wollte.
Niemand hat gefragt: "Ja was? Selber gehn oder geschubst werden?"
"Ich würde gerne durch" oder "...vorbei" hört man fast über all wo es eng wird.
Es gibt aber auch andere Variationen:
Zur Sekretärin:
"Ich würde gerne zum Chef."
Bestimmt hat manch eine Ulknudel oder schlechtgelaunte Vorzimmerdame auch schon mal mit:
"Ja was? ... getragen werden oder kriechen?" reagiert.
Denn irgend etwas fehlt der Formulierung, sonst würde sich die Gegenfrage nicht so leicht aufdrängen. Und zwar genau soetwas wie "aufdrängen" im letzten Satz. Nämlich der Infinitiv eines Verbs.
Hier ein paar Regeln der Konjunktiv I- und Konjunktiv II-Bildung. Achtung: Der Abschnitt Konjunktiv im Futur, gebildet mit würden + Infinitiv ist so knapp, dass man dran vorbeischliddern kann...
Und: durch und vorbei sind keine Kurzformen der Infinitive der Verben durchgehen und vorbeigehen. Ohne gehen ist ersteres eine nur eine schlichte Akkusativ-Präposition und letzteres eine Dativ-Präposition, die eigentlich auch noch mit an gebildet werden müsste. Der vollständige, an die Mitfahrenden in der U-Bahn gerichtete Satz würde also folgendermaßenlauten: "Ich würde gerne an Ihnen vorbei gehen."
Egal wie grammatikalisch richtig, heißt das aber noch lange nicht, dass die anderen daraufhin Platz machen. Denn die Äußerung von Wünschen und deren Erfüllung sind, wie wir alle wissen, zwei völlig verschiedene Schuhe.
Ernst gemeint: Sollte ich jetzt selbst besserwisserisch in eine fiese Grammatikfalle geschliddert sein und hier Bockmist erklärt haben, bitte ich um sofortige Korrektur von besseren Neunmalklugen! (Gerne auch anonym!)
hingeworfen von
Jette
0
Kommentare
Bröckchen: hm., neunmalklug, Öffentlicher Nahverkehr, Sprache, unterwegs, Wünsche, Zauber und Magie
Freitag, 7. September 2012
Aloha Krk!
Die "Woche der Sprache und des Lesens" neigt sich dem Ende zu und ich sage: Nicht nur Deutsch ist schön, auch andere Sprachen haben's in sich!
Und: Fremdsprachen lernen hält jung, sagt man jedenfalls. Nur welche?
Ich sage mal, manchmal kommt's nicht auf die optimale Verwendbarkeit im Geschäftsleben oder im Urlaub an, sondern aufs Talent. Es nutzt einfach nichts, chinesisch sprechen zu wollen, wenn man den Unterschied zwischen hi, hi, hi und hi nicht erkennt und wiedergeben kann. Oder Französisch, wenn man keine Nasallaute hinkriegt.
Genauso gibt es Menschen, die sich in der Welt der Vokale wohler fühlen, für die empfiehlt es sich, Hawaiianisch zu lernen und wer sich dann fragt "wo sind eigentlich die ganzen Konsonanten geblieben?" der geht nach Hrvatska. Hier versucht man, auf Vokale weitgehend zu verzichten.
Ich stelle es mir durchaus lustig (und natürlich ziemlich klischeehaft) vor, wenn ein junger dicker hawaiianischer Inselhopper auf Krk landet und dort mit einem dünnen alten kroatischen Ureinwohner beide Sprachen in einen Mixer wirft. Käme da vielleicht so etwas ähnliches wie Deutsch heraus?
![]() |
| 26. Film stepping out Regie: Kim Bowon Korea 2012 01:30 Min |
![]() |
| 25. Film The Chain Letter Regie: Park Narae Korea 2012 01:30 Min |
hingeworfen von
Jette
0
Kommentare
Bröckchen: Berliner, Entscheidungen, Festival, Film + Fernsehen, Freizeittipp, Kommunikation, Öffentlicher Nahverkehr, Sprache, unterwegs
Donnerstag, 6. September 2012
Angebrüllt
Ich fahre nicht gerne U-Bahn und nur wenn ich muss. Und neulich musste ich mal wieder. Erstens wegen der Überwindung einer größeren Entfernung und zweitens wegen der Ansage einer höheren Regenwarscheinlichkeit.
Also tapfer rein ins Gedrängel!
Ich startete in einem Abteil mit einer kreischenden Schulklasse, aber konnte einen Sitzplatz ergattern. Neben mir saß ein Mädchen aus der Gruppe. Wenn ich die Laute richtig interpretiere, die sie von sich gab, dann versuchte sie trotz des erhöten Lärmpegels ein schönes Lied zu singen.
Die Kinder stiegen aus, auch das tönende Mädchen neben mir. Viele drängelne und telefonierende Menschen stiegen ein. Ich versuchte mich inhaltlich auf den mir bevorstehenden Termin zu konzentrieren.
![]() |
| Foto: T.M. (heutiges Geburtstagskind) |
Ich beobachtete andere Fahrgäste, die vier Stationen lang erfolglos versuchten, nicht zusammenzuzucken. Hätte ich einen Grund gehabt, eine Tanzband zu bestellen und dürfte ich mindesten zehn Meter Abstand halten, wär's gar nicht so schlecht gewesen...
hingeworfen von
Jette
0
Kommentare
Bröckchen: Alltag, Berliner, hm., Jammerläppchen, Musik, Öffentlicher Nahverkehr, unterwegs
Freitag, 3. August 2012
Ins Blaue
"Wer recht in Freuden wandern will" fährt mit dem Regio 18 im Süden Brandenburgs herum und lässt sich vor jeder Haltestelle mit der synthetisch gepfiffenen Bundesbahnvariante jener Volksliedmelodie verwöhnen. Der Klangdesigner konnte sich wohl nicht entscheiden, ob er lieber den Sound einer Orgelpfeife oder den von leeren Flaschen gehabt hätte.
Aber so ist es nicht verwunderlich, wenn nun eine zugestiegene größere Gruppe rucksackbepackter Jungerwachsener umgehend diverse Biere aus ihrem Gepäck befreit, um schon nach kürzester Zeit den richtigen inneren Zustand erreicht zu haben, um die Melodie tatkräftig und lautstark zu unterstützen.
Dazu kommt flugs auch noch eine Gruppe fröhlich pubertierende Pfadfinder, die mit einem Diskussionsthema aufwartete, das mich zeitweilig vom Genuss meiner (im Prinzip ähnlich pubertären) Lektüre (an einem Kiosk in der tiefen Ostdeutschen Provinz gab es tatsächlich noch ein Exemplar der verbotenen Titanic-Juli-Ausgabe!) ablenkte: Wie cool findet ihr eigentlich diese Nippelteile? Der Opa von Inga lässt sich jetzt auch eins machen. Früher als die Oma wollte, wollte der Opa nicht. Aber jetzt wo er alt ist? Ja.
Zwischendurch fliegt der eine oder andere blaue Pfadfinderstrumpf über die Sitzreihen oder auch schon mal ein ebenso blaues Halstuch, immer gefolgt von dem Schrei: Hol den sofort zurück!
Die musikalischen Jungerwachsenen sind inzwischen offenbar so blau wie die Pfadfinderkluft und verpassen glatt die Ankündigung von Trebbin zu unterstützen. Das sollte aber eine Ausnahme bleiben...
hingeworfen von
Jette
0
Kommentare
Bröckchen: der Nase nach, Jugend, Musik, Öffentlicher Nahverkehr, unterwegs
Sonntag, 4. März 2012
Freizeitplanung
1: ...und denn gehn wir zu McDonalds.
2: Ja, aber vorher noch bei Beate Uhse vorbei.
3: Was sexuelles brauch ich heute nicht.
2: Aber wir gehn zu dem McDonalds mit ipads.
3: Mit ipads?
1: Ja, da kriegste denn ne Nummer.
Ein bisschen klang das in meinen Ohren, wie es vielleicht in den Ohren einer früheren Generation bei folgender Verabredung geklungen haben mag:
1: ...und dann gehen wir noch in die Disko.
2: Ja, aber vorher noch im Aruna Krishna*-Laden vorbei.
3: Beim Inder? Ich krieg immer so Kopfschmerzen von den Räucherstäbchen.
2: Vielleicht macht der Diskjockey Psychedelic-Projektor und die Strobos an.
3: Strobos?
1: Ja, müssen wir mal fragen.
hingeworfen von
Jette
0
Kommentare
Bröckchen: aufgeschnappt, Jugend, Licht + Dunkel, Neukölln-Rixdorf, Öffentlicher Nahverkehr, unterwegs
Mittwoch, 1. Februar 2012
Antibiotikum
Da ich das mit den antibiotikaresistenten Bakterien, die aus Hühnerställen kommen und sich in Krankenhäusern verbreiten, irgendwie nicht richtig verstanden hab, versuche ich die verschieden Infos hier hoffentlich in der richtigen Abmischung zusammenzutragen.
Also - als erstes der Name:
anti = gegen
biotikos = zum Leben gehörig
daraus folgt: lebensfeindlich (passiv), mörderisch (aktiv)
Dann die Geschichte:
Nachdem Louis Pasteur über lange Zeit vergeblich versucht hatte, aus Schimmelpilzen nützliche Medikamente herzustellen, gelang es schließlich Alexander Flemming vor gut 90 Jahren, einen wichtigen Schritt im Angriff auf krankmachende oder gar tötliche Bakterien weiterzukommen.
Mit Penizillin konnte nun den Miniviechern ab sofort der Garaus gemacht werden.
Zunächst erst mal die, die durch Staphylokokken ausgelöst wurden, im Verlauf der Zeit wurden dann Diphterie und Tuberkulose weitgehen in die Schranken gewiesen.
Heute:
Nun muss man mit allen möglichen tötlichen Infektionen, vor allem in Krankenhäusern rechnen, und zwar wegen "Medikamentenmissbrauch in der Vogelindustrie" - gemeint ist: Die Behandlung bei der Masthähnchen- und Legehennenhaltung.*
Und was haben die heißgeliebten Hühnerkeulen mit sogenannten Krankenhauskeimen zu tun?
Wie kommen sie zu Säuglingen, die noch nie eine Hühnerkeule oder ein Ei gegessen haben und deren Organismen sich also noch gar nicht an die Einnahme von Antibiotika gewöhnt haben können?
Ja, das Ding mit der Gewöhnung. Da vermischen sich wohl zwei Sachen. Gewöhnung hin, Gewöhnung her, wenn die Bakterien selbst immun sind, ist es völlig egal, ob der Mensch im Laufe der Zeit zu viele von Ärzten "leichtfertig bei jedem kleinen Schnupfen" verschriebene Antibiotika bekommen hat.
Ich kenne übrigens keinen einzigen Arzt, der das Zeug einfach mal so aufs Rezept schreibt.
Dazu kommen die Bakterien, die den Hühnerställen entsprungen sind, die nicht nur resistent gegen Antibiotika sind, sondern frecherweise das angewendete Medikament auch noch zerstört!
Angesteckte und erkrankte Menschen kommen in Krankenhäuser und dort gehen die Bakterien schnell auf Wanderschaft und finden dort auch recht zügig möglichst wehrlose Menschen.
Also. Es ist völlig egal, ob man sich selbst immer von Antibiotika ferngehalten hat, denn es geht nicht um die ganz persönliche Resistenz, sondern die der Bakterien, die man sich in der U-Bahn oder eben im Krankenhaus holen kann.
Die Informationen über Penezillin & Co werden in den Bakterienstämmen schon seit vielen Generationen weitervererbt. Und deswegen hilft das Medikament auch bei Hühnern längst nicht mehr wie gewünscht, aber man kann mit dem Handel gute Geschäfte machen...
Offene Frage: Wie lange lebt eine Bakterie eigentlich? Altert und stirbt sie irgendwann, wenn sie nicht durch Medikamente oder andere, gezielt eingesetzte Zellgifte getötet wird?
Vorläufige Antwort: Man sagt, dass eine Bakterie im Prinzip in einer geschützten wohlwollenden Umgebung unendlich lange leben würde, da bei einer Zellteilung (die bevorzugte Vermehrungstechnik dieser Organismen) die Ursprungszelle immer erhalten bleibt.
Naja.
Ansonsten wird das einzellige Leben auch durch Entzug der Existenzgrundlagen getötet. Das kann je nach Art der Einfluss auf die Umgebung, z.B Sauerstoffgehalt, Temperatur (Abkochen!), Trockenheit etc. oder auch der Entzug von Nahrung (sehr individuell) sein.
*) Verboten ist (im Prinzip) die vorbeugende Behandlung. "Lateralschäden", also die Verabreichung von Medikamenten an Tiere, die gar nicht behandlungsbedürftig sind, wird von Tierärzten und Züchtern wegen der Praktikabilität aber billigend in Kauf genommen. Das heißt, wenn ein Tier krank ist, wird über das (z.B.) Futter der ganze Stall behandelt.

PS: Penicillus = Pinsel, der Pilz gehört zu den Schlauchpilzen, und hat eine pinselähnliche Form.
Gottseidank sehen meine Pinsel nicht so buschig aus!
hingeworfen von
Jette
0
Kommentare
Bröckchen: aufgeschnappt, Gesundheit, Gift und Galle, hm., Öffentlicher Nahverkehr, Sachkunde, Stethoskop, unterwegs, wilde Natur
Samstag, 30. April 2011
Linie 7
Und die PAECHbrot-U-Bahn-Werbung versuchte, sich mit einem flotten Ramadan-Spruch den neuen Gegebenheiten anzupassen:
Was hat sich noch geändert? Die BILD hat inzwischen buntere Bilder gekriegt und Stiefeletten im Prinz-Eisenherz-Stil gibt es nicht mehr (eigentlich schade, ich hatte auch welche und die waren sehr angenehm zu tragen!), Leggings hingegen sind nie ganz ausgestorben. Türkis und Mint als Modefarben waren auf dem Weg zu ihrem bislang größten Hoch.
Für Brustkrebsvorsorge wurde mit Botticellis "Geburt der Venus" geworben.
Die Heizung unter der Sitzbank mit grün-marmoriertem Kunstlederpolster konnte im Winter so heiß werden, dass das Gemüse schon in der Tüte vorgegart wurde. Und die Tüte stammt von einer türkischen Handelskette, die gibt's wohl inzwischen auch nicht mehr.
Die Wände sind nicht mehr mit braunen Holzimitaten verkleidet und der Boden hat auch kein braunes Linoleum mehr.
Postpakete sind heute normalerweise vorgefertigt gelb und haben Klebeband und selten Strippe außenrum. Sitzpolster sind jetzt aus grau-bunt gemusterten kratzigen Plüsch. Nur die Kacheln auf dem U-Bahnhof Möckernbrücke sind immernoch knallgelb und werden es wohl auch noch lange bleiben.
PS: Heute vor 25 Jahren hatte "Linie 1" im Gripstheater Premiere. Am Tag vorher sickerte erstmalig durch, was in Tschernobyl vier Tage zuvor passiert war. Ich saß unwissend wie alle in den Tagen dazwischen in der Vorpremiere und hatte viel Spaß...
hingeworfen von
Jette
1 Kommentare
Bröckchen: Berliner, einkaufen, Migrationshintergrund, Neukölln-Rixdorf, Nostalgie, Öffentlicher Nahverkehr, unterwegs, Westberlin
Dienstag, 8. Februar 2011
Durchbindung
Ja, ja, neue Wörter braucht das Land. Meine wiederholte Bitte bringt Blüten hervor, von denen ich nichts geahnt hatte:
Ein DB-Sprecher für Bauvorhaben rund um den Berliner Hauptbahnhof vermeldete, dass dieser in den nächsten Jahren eine "Durchbindung" unter der Spree erhalten soll!
Der Zug gehört plötzlich einem anderen Verkehrsbetrieb?
Ein Verkehrsmittel verwandelt sich in ein anderes?
Zauber und Magie unter der Spree?
Können wir uns auch verständlicher ausdrücken?
Später (wenn der Hokuspokus das vielfache kostet) heißt es wieder: Wir haben die Bevölkerung doch rechtzeitig unterrichtet!
Nur - wer hat's verstanden?
hingeworfen von
Jette
0
Kommentare
Bröckchen: aufgeschnappt, Berliner, Fragen, Öffentlicher Nahverkehr, Sprache, Wunder der Technik, Zauber und Magie
Donnerstag, 30. Dezember 2010
Vorher - nachher
Erstens.
U-Bahn-Dialog:
Zwei Junge Menschen hinter mir:
"Man könnte doch jetzt noch kurz vor Silvester sterben. - Oder?"
"Besser zwei Tage nach Silvester."
Zweitens.
![]() |
| Nachweihnachtliche Baumbeleuchtung |
hingeworfen von
Jette
2
Kommentare
Bröckchen: aufgeschnappt, Berliner, hm., hoppsala, Jugend, Licht + Dunkel, Öffentlicher Nahverkehr, unterwegs, Weihnachten, Winter, Wünsche, Zeit
Montag, 2. August 2010
RE5-Dialoge
Auf den Gleisen nach Süden...
Beteiligte: Papa (P), fünfjährige Tochter Lulu (L) und ein weiterer Fahrgast (F).
Italienischkurs
P: Na, Luziano?
L: Ich heiße nicht Luziano!
P: In Italien heißt du Luziano.
L: Ich heiße Luciana!
P: Oder Lulu.
L: Aber nicht LUZIANO!!!
Wohin?
Nach der Durchsage für den nächsten Bahnhof wundert sich Lulu.
L: Wir fahren nach Lockenwald?
P: Nein, nach Senftenberg.
L: Hemdenberg???
Meine Batterie ist alle
Papa hält das Mobiltelefon in der Hand und starrt auf's Display.
L: Papa, kann ich noch mal telefonieren?
P: Wir haben hier ganz schlechten Empfang.
L: Anfang?
P: Empfang. Guck mal hier die Batterie, da sind so Striche, die fangen ganz klein an und werden immer dicker. Und jetzt is nichts.
L: Hm?
Zu schnell
Lulu turnt auf den freien Sitzen und an der Gepäckablage.
P: Mach doch mal'n Kopfstand. Kannste doch.
L: Nee.
P: Bei 140 Sachen - wer kann das schon?
Altersfragen
F: Die is ja in so'm Alter wie mein Kleener.
P: Wie alt ist der?
F: Der wird sechs. Und wie alt is die Kleene?
P: Fünf.
F: Na, dit is ja so ähnlich.
Wer kocht?
Papa starrt nach einem kurzen unterbrochenen Telefonat mit seiner Frau wieder aufs Display.
F: Na, ich bin ja jetzt schon lange Single, ich koch ja alleine.
P: Wieso? Frauen gibt's doch wie Sand!
F: Ach ja... (nachdenkliche Pause)
P: Dit gibt doch mehr Frauen wie Männer!
F: Naja, binnick drüber weg.
hingeworfen von
Jette
0
Kommentare
Bröckchen: Alltag, aufgeschnappt, Berliner, der kleine Unterschied?, Jugend, Kommunikation, lach mal, Öffentlicher Nahverkehr, Sprache, unterwegs, Wunder der Technik
Freitag, 12. Februar 2010
Wanderbahnhof
Eigentlich wollte ich es weitgehend vermeiden mit der S-Bahn zu fahren, aber gestern ging's nicht anders, mein Weg führte mich zum Hauptbahnhof und die einzige U-Bahn, die dort fährt heißt Kanzlerbahn und hat keinen Anschluss an andere U-Bahnlinien - eins drauf mit Mütze für die Verkehrsplaner!
Also ab zur S-Bahn und auf dem Wege die hauseigene kleine Bahnzeitung mit dem niedlichen aber nichtssagenden Titel "Punkt 3" in Empfang genommen.
Ich erwartete, dass ich als erstes vielleicht eine Entschuldigung und Lösungsvorschläge für alles, was nicht funktioniert finden kann, aber stattdessen wird für Wanderbahnhöfe geworben.
Wanderbahnhöfe?
Heute hier, morgen dort?
"Ach, ich bin dann heute mal ganz woanders..." sprach's, packte seinen Rucksack und ließ die Fahrgäste verwundert an der Straße stehen.
hingeworfen von
Jette
0
Kommentare
Bröckchen: Alltag, Berliner, Freizeittipp, Öffentlicher Nahverkehr, unterwegs
Donnerstag, 27. März 2008
Kuschelfahrt-Nachtrag
Erinnert sich noch jemand an den anarchistischen Film“ Themroc“ mit Michel Piccoli, wo's am Ende Bullen am Spieß gibt?
Und am Anfang gibt es folgende morgendliche Szene: Während Themroc mit dem Fahrrad von der Toreinfahrt seines Hauses auf die Straße einbiegt, passiert dasselbe auf der gegenüberliegenden Straßenseite mit einem Nachbarn spiegelverkehrt. Beide treffen sich wortlos in der Mitte der Straße, lehnen sich aneinander und fahren so gemeinsam zur Metro.
Eines Tages bleibt Themroc weg, was der andere in seiner Anlehnroutine nicht schnell genug bemerkt....
Vor kurzem stand der Film mal wieder im Fernsehprogramm (vermutlich bei arte?), also allzu schnell wird man ihn jetzt wohl nicht wiedersehen, es soll ihn aber als DVD geben (Vielleicht ist die ja irgendwo ausleihbar). Und wer zu früheren Zeiten Gelegenheit hatte, den Film im Kino zu sehen, wird sich – vorausgesetzt, er ist mit der U-Bahn zum Kino gefahren und auch zurück - erinnern, dass zur Rückfahrt sich kaum jemand die Gelegenheit nehmen ließ, auf dem Bahnhof ein wahrhaft tierisches Gebrüll abzulassen.
Ja, so waren sie, die Jugendlichen früherer Generationen ...
Hier noch eine umfangreiche Filmkritik. Was übrigens auch hier nicht erwähnt wird, vielleicht weil man befürchtet, dass das abschreckend sein könnte:
Der Film kommt gänzlich ohne jegliche verständliche Artikulation aus. Und trotzdem fehlt nichts.
Und hier noch ein Filmausschnitt in einem französischen Blog.
hingeworfen von
Jette
0
Kommentare
Bröckchen: Film + Fernsehen, Jugend, Kommunikation, Öffentlicher Nahverkehr, Radfahren, unterwegs
Sonntag, 16. März 2008
Nachlese
Jette war mal wieder unterwegs. Diesmal: Die Leipziger Buchmesse
Nach der Buchmesse habe ich im Zug endlich auch wieder gelesen, gerade solange, bis mich meine Sitznachbarin, wegen meines wiederholten Gekichers auf das lustige Buch ansprach, dass ich mir, wie sie annahm, auf der Buchmesse gekauft hätte.
Nein, sagte ich, hierbei handele es sich um etwas älteres, dass der Autor selbst und nur für mich in einem Antiquariat ersteigert hatte, damit ich es auch endlich mal lesen könne.
Tja, so was gibt’s.
Ich drehe die Zeit gute zehn Stunden zurück.
Leipzig empfängt uns mit Regen und ich pilgere mit vielleicht 500, vielleicht aber auch viel mehr anderen Reisenden vom Bahnhof zum Messegelände, weit und breit kein versprochener Zubringerbus. Leider hat nur etwa jeder 100ste an einen Schirm gedacht, so dass wir alle einigermaßen durchfeuchtet, aber sehr tapfer und ohne murren die Hallen erreichen.
Ein dampfendes Heißgetränk wäre nun tröstlich, oder wenigstens ein freundliches "Herzlich willkommen" oder gar "tut-uns-leid-dass-es- schon-wieder-regnet", - aber nein, das erste Wort, das uns empfängt ist: "falsch".
Na prima, denke ich. Das fängt ja richtig gut an.
In der Empfangshalle ist, nun wo wir da sind, auch schon ein bisschen was los und viele Tische für spätere Erschöpfungspausen stehen nach Bierzeltmanier bereit.
Etwas Zeit vergeht bis zum eigentlichen Startgong und die Besucheranzahl ist bis dahin mindestens auf die (gefühlte) zehnfache Menge angestiegen, die nun mit aller Macht in die eigentlichen Messehallen drängt.
Ich löse mich schnell aus dem Hauptpulk, gerate irgendwie in den hinteren, noch sehr unbesuchten Bereich und damit an einen extrem schlecht gelaunten Standbetreuer und ich tue alles dafür, um seine Laune weiter ins bodenlose fallen zu lassen. Das ganze passiert, während ich einen sehr großen, bunten Nachdruck eines sehr alten Atlas lächelnd anstaune und der Misslaunige dazukommt und genervt gelangweilt anfängt, mir zu erklären, dass es sich hier um einen alten nachgedruckten Atlas handele (ach ja?) und zwar auf handgeschöpftem Papier.
Schade, sag ich, dass man davon gar nichts bemerkt, also von der mühevollen Arbeit des Handgeschöpften und dass die schöne, wellige Struktur leider nur als Effekt auf’s ziemlich glatte Papier aufgedruckt wurde.
Einige Radio- und Fernsehstudios buhlen dicht nebeneinander um Aufmerksamkeit, Interviews mit mehr oder weniger bekannten, überwiegend männlichen Autoren sollen das überwiegend weibliche Publikum anlocken. Einen gewissen „Stumpfi“ sehe ich im Laufe des Tages auf verschiedenen Bühnen, offenbar haben wir das gleiche Pilgertempo und die gleiche Richtung eingeschlagen, nur dass er dafür bezahlt wird und ich meine mitgebrachten harten Eier essen muss.
Ununterbrochenes tausendfaches Gebrabbel schallt durch die Hallen, ein vorlesender junger Mann kommt gegen diese Brandung nicht an und starrt einigermaßen verzweifelt durch seine langen blondierten Ponysträhnen hin auf sein angeknittertes Manuskript.
Gruppen von Halbwüchsigen füllen alle zehn Minuten irgendwelche Arbeitsbögen aus, sie sind offenbar mit ihren Schulklassen da und ich versuche mein Exposé für "Erwin" (siehe Beitrag im Januar) bei dem einen oder anderen Kinderbuchverlag einer Lektorin unterzujubeln.
Irgendwann braucht man auch mal eine Pause und zum Glück gibt es an vielen Orten vielerlei Sitzgelegenheiten. Die bequemsten sind natürlich entweder dauerbesetzt, irgendwelchen wichtigen Geschäftspartnern vorbehalten oder befinden sich auf einer Bühne und ich bin kein geladener Gast.
Also bleiben mir nur Holzstühle in modernen Varianten, aber deshalb noch lange nicht bequemer als alte Gartenstühle. Oder die Steinstufen an den Längstseiten der zentralen Glashalle und wenn man hier das Glück hat, einen der zwei Stromverteilerkästen zu erwischen, dann hat man sogar eine Rückenlehne bei gleichzeitiger Hochlagerung der schwergewordenen Beine.
Am besten allerdings ist es im Raucherpark. Hierbei handelt es sich um ein kleines Gelände zwischen zwei Hallen mit einer verglasten Überbrückung, einem rechteckigen See, einem gelben Kieselstrand, einer Halbinsel und einer Insel mit sieben Bäumchen. An zwei Seiten außerdem bestückt mit einigen Bänken zwischen weiteren Bäumchen. Bis hierher kommen die Raucher allerdings nicht, denn die halten sich am liebsten in der direkten Nähe der regensicheren, überdachten Türen auf, sie wollen ja auch ganz schnell wieder rein.
Ich hingegen will die relative Ruhe genießen und versuche die drei Jugendlichen zu ignorieren, die offenbar auch eine große Sehnsucht verspüren, aber das ist eine andere, nämlich ihre eigenen Stimmen mal wieder laut und deutlich zu hören.
Anschließend gerate ich noch an einen kleinen Stand mit lustigen Ausschneidebögen, aber das hatte ich an anderer Stelle ja schon erwähnt.
Und was ist jetzt eigentlich mit den Büchern?
Bücher? Wieso Bücher?
Hab ich gesagt, dass ich wegen irgendwelcher Bücher nach Leipzig fahre?
Die Rückfahrt jedenfalls startet am Bahnsteig 10a. Das klingt ein bisschen wie neundreiviertel und tatsächlich verbirgt sich das Gleis zwischen zwei ordentlichen Gleisen, versteckt hinter einem Pfeiler. Ich bin froh, dass mich niemand überredet, dagegen zu rennen...
hingeworfen von
Jette
0
Kommentare
Bröckchen: Augen+Ohren, Film + Fernsehen, Jugend, Kunst+Kultur, lesen, Öffentlicher Nahverkehr, unterwegs












