Sonntag, 4. Mai 2014

Wutzentrum aktivieren


"Macht dich das nicht richtig wütend?"
"Hmm, ja, eigentlich schon...!"
"Ja und? Also ich würde sofort Hass kriegen!"
"Weiß nich."
"Hau doch mal auf den Tisch, damit klar ist, wo die Glocke hängt!"
"Hm."
"...?"

Nee, nee, nee, so geht's aber nicht! Wenn man's endlich in der Gesprächsführung geschafft hat, jemanden durch geschickte Konfrontation mit unangenehmen Situationen dazu zu kriegen, Hass und Wut als persönliche Empfindung anzunehmen, dann muss man auch dabei bleiben und ordentlich nachlegen!

Ständiges Unterstellen und Abfragen des aktuellen Hass- oder Wutstatus einzelner Personen oder Gruppen ist seit der Etablierung des deutschen "Wutbürgers" am Stuttgarter Bahnhof Standard und sollte bei der Grundausbildung von Reportern, volksnahen Politikern und engagierten Sozial-Experten auf keinen Fall fehlen.
Wut ist eine wichtige Emotion, die den Menschen am Denken hindert (wie, wenn der Rückschluss erlaubt sei: Adorno schon feststellte) und damit zu Ruhe und Ordnung führt, auch wenn das mancheinem im ersten Moment unverständlich klingt. Hier ein einfaches, leicht nachvollziehbares Beispiel:  A haut dem nervigen B kraft- und wirkungsvoll eins in die Fresse und sofort und ohne Verzögerung tritt Ruhe ein. Dabei ist völlig egal, womit B genervt hat, ob mit Nörgeln, Lachen, Plappern, Kneifen, Stehlen oder Grillen. Für den Wutbürger ungefährlicher (Stauchungsgefahr der Finger- und Handgelenke) und effektiver ist natürlich der Gebrauch von Schusswaffen auch im privaten Bereich.

"Vom Auffinden des individuellen Wutzentrums" ist der neue Titel von Anita Peng, die damit einen wichtigen Betrag zum praktischen Eradikation anpassungsunwilliger Individuen, Randgruppen und die wirtschaftlichen Abläufe störender Völker nicht nur in Afrika leistet. 104 Seiten, Verlag Heckler und Koch, 2014

Samstag, 3. Mai 2014

Schulweg


Gerade erinnerte ich mich - warum auch immer - an ein Stück Schulweg meiner Kindheit, auf dem es eine Drogerie mit für meine Kinderaugen übergroßer "Klosterfrau Mesissengeist"-Werbung gab. Vier gotisch anmutende Fenster mit den freundlichen, vermutlich katholischen Klosterfrauen in blauem Licht in trauter harmonischer Einheit mit der danebenstehenden evangelischen Kirche.
Und da dachte ich, fahr doch mal (mit dem Finger auf der Landkarte) hin und sehe mal nach...
Am Zielort angekommen könnte nun Google Streetview wirklich gut sein, wenn die Bilder nicht schon wieder sechs Jahre alt wären. Ich finde Google sollte seine Aufnahmen monatlich aktualisieren, besser täglich. Dann kriegt man auch einen besseren Überblick, wie es auf den verschiedenen Baustellen so vorangeht. Haben die bei Google denn immer noch keine eigene Satellitenflotte? Am Geld kann's ja wohl nicht liegen. Die Menschen auf den Bildern können von mir aus gerne auch automatisch ausgeblendet werden, was ja mit heutigen technischen Möglichkeien (im Vergleich zu vor sechs Jahren) nicht so schwierig sein dürfte, denn meistens Menschen verstellen einem sowieso nur immer nur die Aussicht. Bei besagter Drogerie ist es aber nicht so mit den im Weg stehenden Personen.
Das Gebäude ist rottig geworden.
Die inhaltlosen Klosterfrau-Fensterrahmen auch.

Freitag, 25. April 2014

Brechts Weiber

Jegliche Brechtforschung hat eines nicht herausgefunden, was erst das völlig neuartige Internet möglich machte: Brechts Ehefrauen hatten beide eine so derartig frappierende Ähnlichkeit, dass sie eineiige Zwillinge sein müssten, hätte die zweite nicht erst knapp sieben Jahre nach der ersten das Licht der Welt erblickt. Oder hat hier die Wissenschaft in den göttlichen Plan hineingemurkst und Helene Weigel als den ersten gelungenen Klon verheimlicht?
Oder ist es doch ganz anders und Helene hat ganz gezielt ihr Aussehen dem Mariannens angepasst um den arglosen Berthold in eine Falle zu locken und sich schwängern zu lassen?
Was dahinter steckt erfahren Sie demnächst in einer 247-teiligen Sonderserie in Goldener Kurier extra. Nicht verpassen!

Wikipedia Beweisfotos der verblüffenden Ähnlichkeit

Donnerstag, 24. April 2014

Schrot


Schrotkugeln dagegen fanden wir manchmal sogar häufig in Kinder- und Jugendjahren im weihnachtlichen Reh- oder Hasenrücken.

Als ich einmal mit Freunden in Portugal beim Mandeln klauen (so kann man das eigentlich nicht nennen, denn die waren schon längst abgeerntet), da tauchte der Mandelbauer am Horizont auf und schoss ganz ungeniert. Wir sind gerannt und zum Glück nichts ist passiert.
Einem Bekannten dagegen hat es (unter ganz anderen Umständen) jedoch erwischt, der hat den Körper voller Bleischrot und muss regelmäßig zur Blutwäsche.

Mein Großvater hatte immer eine hübsche Dose Schrot im Treppenhaus am Fenster zu stehen. Auf welche Spezies er von dort aus geschossen hat, kann ich mich aber nicht erinnern. Vielleicht auf Füchse, die des nächtens dem Hühnerstall einen Besuch abstatten wollten?

Kleine Schrotkunde:
Man braucht einen Turm (oder/und eine Plattform in 40 m Höhe), ein Sieb, ein Rohr, ein Wasserbassin und - natürlich - jede Menge Blei.
Auf der Plattform im obersten Geschoss eines Turms (z.B. in Berlin in der "Victoriastadt" auf der Ostseite der Rummelburger Bucht) erhitzt man Blei bis es flüssig ist, dann wird es über Siebe in eine Röhre gegossen. Im freien Fall formen sich die Bleitropfen zu Kugeln, die am Ende der Röhre in ein Wasserbecken fallen.
Fertig.

Besichtigen konnte man den Schrotkugelturm zuletzt im August 2012, aber vielleicht findet sich der Schlüssel noch ein weiteres Mal.

PS: Zum Wortstamm Schrot gehörig ist z.B. 'schreddern' und 'Schröder'.
PPS: Nicht nur ein Vollkornbrot ist (hoffentlich) "von echtem Schrot und Korn", auch manchen Menschen sagt man das nach. 
PPPS: Ich habe als Kind sicherlich auch das eine oder andere Schrotkorn verschluckt, und wie ich neulich las, kann Blei im kindlichen Körper auch zu ADS führen. Wer mich kennt, glaubt's sofort!

Freitag, 18. April 2014

...mit Studien belegt


Seit zwei, drei Jahren habe ich den deutlichen Eindruck, dass der Verpackungsmüll sich annähernd verdoppelt hat. Und dass er sich immer schwieriger von der beinhaltetenden Ware trennen lässt. (Siehe auch: Der Patros-Effekt)
Da schenke ich mir heute einen schönen neuen Gelschreiber. Schnell, schnell will ich ihn ausprobieren, aber ihn aus der Hartschalenfolie und der fleddernden filzigen Chinapappe freizulegen, artet in eine umfangreiche Operation aus...

In der letzen oder vorletzten Woche habe ich drei verschiedene Studienergebnisse gehört, die zum Thema Verpackungsmüll ermittelt wurden, die verlautbarten Ergebnisse schilderten die Ab- oder Zunahme dieses Mülls. Bei dem einen kam ein Viertel mehr als (wann eigentlich?), bei dem nächsten: immer genauso viel und bei dem dritten hieß es: die Menge hat kontinuierlich abgenommen. Ich bleibe aber dabei: Sie hat sich (zum Wohl der Abfallwirtschaft) verdoppelt!

Ach so, ja und die Studie, -  wenn man dann noch mal nachblättert, war es eine einzige, - die sich allerdings kaum um Ab- und Zunahme scherte, sondern um den Umgang des Bürgers mit Mülltrennung.
Soviel zum Thema "... mit Studien belegt".

Mittwoch, 16. April 2014

Überlebenskampf


Wenn man Weidenzweige in eine Vase stellt, dauert es meist nicht lange, bis sie Wurzeln schlagen. Wenn dann ein Zweig dabei ist, der nach zwei Wochen alle Blätter verloren und nur ganz klitzekleine Wurzelansätze hat, dann sage ich auch schon mal:

"Ich gebe jedem die Chance um sein Leben zu kämpfen."

Bei solch einem Satz drängen sich sofort Bilder auf, die ertrinkende Maikäfer, halbierte Regenwürmer oder auf die Wäscheleine gehängte Quallen zeigen.
SOOOOOOOOOO ist das nicht gemeint.
Liebe Kinder, NICHT MACHEN!


Dienstag, 15. April 2014

Deine Tage...


... sind gezählt!

Montag, 14. April 2014

Phobiephobie?


Ich muss zugeben, ich habe in den letzten Tagen zur falschen Uhrzeit durch die falschen Fernsehprogramme gezappt und bin auf diese Weise für einen eigentlich uninteressanten kurzen Augenblick an einer Kochsendung hängengeblieben. "Eigentlich uninteressant" deshalb, weil ein fremder Herr mit Kochschürze zwei andere namenlose Personen mit Kochschürze begrüßte.

Interessant war dann aber das "Wie":

Die Dame wollte - wie ich fand, deutlich erkennbar - einer zu engen körperlichen Nähe gerne ausweichen, erfolglos, denn der begrüßende Herr forderte eine Umarmung samt rechts-links-Küsse, und zwar exakt und angesagt: vier Stück. Dann ging er einen Schritt auf den männlichen Gast zu mit (ungefähr*) diesen Worten: "Na, willst etwa auch welche? - Nee, nee!!! Für dich reicht five high." Ich spürte fast körperlich die innere Angewidertheit jenes Herren, dessen homophobische Angstphantasien da ganz öffentlich mit ihm durchgingen. Immerhin hat er nicht noch ein paar freundschaftlich harte Schläge auf die Schulter folgen lassen, dann hätte ich mich vermutlich verschluckt.

Bin ich jetzt phobiephobisch?

PS: Ich weiß, dass diese importierte Abklatschgeste "high five" heißt, aber das nur am Rande. Ich treffe die Hand des Klatschpartners sowieso nie. Oder brech mir beim Abrutschen fast den kleinen Finger.

*) Es ist mir nicht gelungen, eine Wiederholung des Ereignisses und damit die Möglichkeit, einen aufgezeichneten Ausschnitt der Szene zu finden, weil ich schon kurz danach gar nicht mehr wusste, bei welchem der vielen Küchensender ich vorbeigerutscht bin.