Montag, 12. November 2012

Laterne, Laterne


"Fotografierst du die Kirche?" fragt eine Kinderstimme.

"Ja." Ich stehe in der Kirchhofstraße und fotografiere die Kirche so gut es geht und in diesem Augenblick von hinten.
"Die sieht so dunkel aus", er zieht ein Gesicht, als müsste man sich vor dem Gebäude fürchten, als beherberge es ein sehr dunkles Geheimnis. Mir fällt jetzt erst auf, dass die schönen hohen Fenster von draußen düster kaschiert sind, so dass tatsächlich ein etwas unheimlicher Eindruck entsteht.

"Darf ich auch mal?" Der etwa 10jährige Junge streckt die Hand nach meiner Kamera aus. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich sie ihm überlassen sollte. Aber - das ganze Leben ist Risiko, wieso also nicht?
Er peilt die Kirche an, drückt schnell hintereinander auf den Auslöser, natürlich ohne an so etwas profanes wie Schärfeeinstellung zu denken, denn er lebt in einer 100%ig autofokussierten Welt.
Er gibt sie mir breit grinsend zurück.

"Und weißt du, was das da drüben, die rote Laterne, ist?" er zeigt in die andere Richtung. Ich weiß, welche Laterne er meint und schaue mir den Jungen nochmal an. Er ist eindeutig orientalischer Abkunft. Er träumt vielleicht von den legendären 72 paradiesischen Huris, aber wohl noch nicht von völlig irdischen Huren. Ob er mit meiner Antwort klar kommt?
"Ein Puff?" Ganz sicher bin ich mir bei der genauen Einordnung auch nicht.
Er sieht mich fragend an.
"Da gehen erwachsene Männer rein, die was mit Frauen machen wollen, was sie zu Hause nicht machen können", versuche ich die heikle Situation zu umschreiben.
Er grinst verhalten. Ich merke, dass er an das böse f-Wort denkt.
"F....?" er spricht es tatsächlich aus, aber ganz leise und beinahe ungläubig.
"Oder sie gucken sich vielleicht Filme an, in denen erwachsene Männer mit Frauen was machen, was....", ergänze ich.
"Iiiiih!" seine Phantasie ist offenbar gerade ein bisschen mit ihm durchgegangen.

"Auch so mit an der Stange?" fragt er wieder etwas ernüchtert.
Ich zucke die Schultern. "Vielleicht? Ich weiß es nicht, ich war noch nicht drin."
Gott sei dank zweifelt er nicht daran.
Und dann hat er eine sehr entspannte Idee: "Vielleicht gehen die Männer auch nur rein und trinken was und gehen dann wieder."
Ich bin erleichtert. "Ja, vielleicht gehen sie nur rein, trinken ein Bier und gehen dann wieder."
"Tschüss."
"Tschüss."

Und zack - hab ich das Laternefotografieren vergessen - aber drei Stunden später im Dunkeln nachgeholt... und an der nächsten Ecke einen ordnungsgemäßen Laternenumzug getroffen.

Sonntag, 11. November 2012

Kurbelsäge


Vorgestern war übrigens ganz nebenbei gesagt unter anderem und neben allen Staatsfeierlichkeiten und Gedenken auch "Tag der Erfinder". Schade, dass der Tag in diesem Schatten verschwindet und es nur einen einzigen davon im Laufe des Jahres gibt. Ich plädiere für ein ganzes Jahr der Erfinder, 365 Erfindertage würden vielleicht mehr Ergebnisse hervorbringen - nein besser noch eine ganze Dekade!

Früher, als es noch Stabil-Baukästen gab, waren alle Kinder respektierte kleine Erfinder. Sie mussten/durften ihr Spielzeug mit mit eigener Kraft konstruieren, von zangengebogenen Buddelförmchen aus Blechdosendeckeln bis zur Kurbelsäge aus dem Metallbaukasten.
Dem Neuköllner Kind wurde der einzig wahre Baukasten unter den Weihnachtsbaum gelegt: Ein Stabil-Baukasten aus Franz Walthers Ingenieur Bauspiel -Fabrik in der  Harzer Straße. Hier konnten weder Trix noch Märklin locken, sollten doch die andern damit klarkommen.


In meinen kindliche Erfindergeist mischte sich auch noch  Fischer-Technik und für ein kleines eiförmiges eierndes Riesenrad mit zwei oder drei Gondeln gab's dann auch schon mal einen kleinen Wettbewerbspreis. Dann war aber Schluss mit Baukastenerfindungen.


Die Firma von Herrn Walther ging den Bach runter, nachdem die Mauer das größte Liefergebiet von Westberlin abschnitt. In der DDR enstand die Alternative Technikus und im Westen und Süden Deutschlands war man sowieso mehr der Konkurrenz zugeneigt.

PS: Im letzten Jahr hatte ich schon mal eine Kurbelsäge vorgestellt, allerdings muss es sich da vom Wesen her um gänzlich anderes Ideengut handeln, denn außer der Anwesenheit einer Kurbel scheint es keine Gemeinsamkeiten zu geben.

PPS: Häufiger ist mir im Leben das rechts abgebildete Teil (z.B. auf Flohmärkten) begegnet und außer, das es in einen Matallbaukasten gehörte, hatte niemand einen blassen Schimmer, warum es so eigenartig geformt war. Nun weiß ich's dank der Bauteilbeschriftung auf dieser gefundenen Abbildung.
Jetzt aber frage ich mich, was wohl ein "Gewichtsmotor" sein könnte?
Sowas wie die das Getriebe einer Standuhr mit Ketten und Gewichten?


PPPS: Buddelförmchen selber machen? Ja, so eine Art Tortelett oder  Muffinförmchen.
Ganz einfach - mit Dosendeckel und Zange.


Donnerstag, 8. November 2012

Irgendwo im Nirgendwo


Ende einer Filmankündigung: "Es beginnt ein gefährliches Katz-und-Maus-Spiel in den amerikanischen Wäldern ..."
Attribute haben ja eigentlich die Aufgabe,  ein Objekt oder Subjekt näher zu beschreiben. Näher, nicht weiter. Eingrenzender. Und nicht ausufernder.
Es war nicht irgend ein Tag, sondern ein regnerischer, kalter, sechs Wochen vor Weihnachten.
Die dunklen Wälder im Südwesten von Vermont. Aber doch nicht die "amerikanischen", meine Güte! Zwischen den Wäldern im Südwesten von Vermont und denen im Norden Kaliforniens gibt es bestimmt nicht ganz unbedeutende Unterschiede. Sowohl was das Klima, den Baumbestand als auch die jeweilige Tierwelt betrifft. Und das war ja nur Nordamerika, wenn nun auch noch die brasilianischen Urwälder oder Feuerland dazu kommen...
Ich muss allerdings zugeben: ich habe mir den Film nicht angesehen und wer weiß? Vielleicht geht die Verfolgung tatsächlich durch sämtliche Waldlandschaften des amerikanischen Kontinents?

Andere kontinentale und universale Ereignisse warten dann auch noch auf ihre Beschreibungen:
"Das sorgte für eine kleine Abkühlung in der afrikanischen Tierwelt."
"So endet ein spannendes Burgenbauen an den eurasischen Stränden."
und last but not least*:
"Dann begann eine interessante Diskussion in der Galaxie."


PS: "Last but not least" - habe ich immer übersetzt mit: "Als letztes, aber deshalb noch lange nicht unwichtig..."
Andere verstehen durch aus was anderes darunter, hintergründiges zum Hören Lesen liefert uns "der-englisch-blog":

Die Formulierung “last but not least” hat sicherlich jeder schon einmal gehört. Im Deutschen hört man allerdings auch häufig die falsche Variante, bei der das “but” weggelassen wird. Böser Fehler…
Sinngemäß bedeutet “last but not least” soviel wie “zu guter Letzt”.
Das Wort “least” ist übrigens die Steigerung von “little”. (little: wenig – less: weniger – least: am wenigsten). Siehe Artikel von gestern.
Entsprechend bedeutet “last but not least” wörtlich soviel wie “als letztes aber nicht am wenigsten bzw. am geringsten”. Der Gedanke dahinter ist also, dass jemand oder etwas zwar am Schluß kommt, deshalb aber nicht weniger wert ist.
(Kommentare zum Beitrag bitte daselbst auch lesen!)

Dienstag, 6. November 2012

Urstromtal

Ich rede ja normalerweise nicht viel (merkt aber keiner, denn...), wenn ich dann aber schon mal unter Leute komme, fließt das Berliner Urstromtal meist direktemang durch mich hindurch. Dann schwappe ich über und manch einer glaubt, in meinem munteren Redefluss ersaufen zu müssen, dabei ist es doch ganz einfach: mitschwimmen. Dumm natürlich, wer kein Seepferdchen hat. Die Original-Stickvorlage gibt's deshalb gleich mitgeliefert - oder Abbildung ausschneiden und auf ein Kleidungsstück freier Wahl kleben. Achtung: Es kann immer nur einmal ausgeschnitten werden, danach muss möglicherweise erst mal ein neuer Bildschirm besorgt werden!

Samstag, 3. November 2012

Noch sieben Wochen

Nur noch sieben Wochen bis zum Weltuntergang und wie wir sehen, hat's an der Ostküste der USA schon angefangen. Was wollen wir mehr?

Es ist doch immer wieder schön, wenn Prognosen auch eintreten. Das ist gut, das ist verlässlich, das verleiht uns ein Gefühl von Sicherheit.
Und das beste: Wir brauchen uns nicht um Weihnachtsgeschenke zu scheren!
Nie wieder.
Karriereplanung adieu, gute Vorsätze für's neue Jahr adieu, Vorratshaltung überflüssig.
Was rege ich mich über maßlose Mieterhöhungen auf?
Wozu braucht man den neuen Flughafen eigentlich?
Und wozu das ganze Theater um die "Energiewende"?

Energiewende?
Ach, wenn die Energie doch nur wüsste, wohin sie sich wenden sollte?
Meine Energien wenden sich gerade auch nirgendwo speziell hin. Sie sind hier und da einfach da.
Bei prügelnden Tilidin-Konsumenten wendet sich die Energie vornehmlich gegen andere.

Nur noch sieben Wochen.
Ich denke, wir sollten die Zeit bis zum Weltuntergang genießen.
Mal so richtig aus dem Vollen schöpfen.
Das Gegenteil von "sieben Wochen fasten" vor Ostern.
Und deshalb: "Husch, husch, verpfeift dich, du fatalistisches Gedankengut und such dir einen anderen Planeten!"

Vielleicht werde meine Energien mal wieder in die Richtung eines Kinos lenken. "Die Vermessung der Welt" (nicht des Weltuntergangs, - manno!) bringt einen vielleicht auf andere Gedanken. Ich müsste doch auch endlich mal wissen, wer der Herr Gauß eigentlich war, wenn ich doch fast täglich seinen Weichzeichner benutze....



Freitag, 2. November 2012

Upps! Sinneswandel?


Ehrgeiziges Wahlkampfgebaren?

Donnerstag, 1. November 2012

Auch lustig


Halloween mit französischem Frühstück...








Nachmachen mit mini•mizer

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Höflichkeit für alle


Ich musste heute mal wieder weit durch Stadt und Land, also bis ans andere Ende Berlins fahren, genau gesagt nach Zehlendorf-Mitte. So sagte man früher. Heute heißt das "Zehlendorf-Eiche".
In der Gegend kenne ich mich mit den Buslinien nicht gut aus, aber von U-Oskar-Helene-Heim fahren angeblich alle Busse da vorbei. Prima, an der Haltestelle steht gerade ein X-Bus, ich renne, bin die letzte, stolpere hinein.
"Sie halten auch Zehlendorf-Eiche?" Bei X-Bussen weiß man ja nie so genau.
"Morgen."
Was will mir der Busfahrer damit sagen? Heute nicht, aber morgen?
"Morgen?"
"Guten Morgen!"
Ah, er achtet auf Höflichkeit.
Warum dann aber der belehrende Unterton?
Und warum nur ein knappes, kaum erkennbares Kopfnicken als Antwort auf meine Frage?
Ein Beispiel von Höflichkeit?